Bereits vor gut einer Woche veröffentlichte Welt Online ein Interview mit dem Dirigenten Ton Koopmann. Eigentlich sollte es um Dietrich Buxtehude gehen, stattdessen oder besser währenddessen waren Legenden um Johann Sebastian Bach das Thema – verbunden mit Vorwürfen gegen Carl Philipp Emanuel Bach.

7 Kommentare zu »Ton Koopmann mit schweren Vorwürfen gegen Bach-Sohn«

  1. Bremser schreibt:

    Was will Herr Koopman mit seinen Antworten? Nur schon die Aussage, dass man Buxtehude "immer zu langsam" gespielt habe, ist seine persönliche Meinung, die einer näheren Prüfung nicht standhält. Wahrscheinlich gehört Koopmann auch zu jener Kategorie Musiker, die Albert Schweitzer nachsagen, er habe nicht schneller gespielt, weil er es nicht schneller konnte. "Takt-freies" Spiel hat à priori nichts mit dem Tempo zu tun, so wenig wie der Ausdruck von Dramatik. Und woher will Herr Koopman wissen, dass man früher Bachs weltliche Werke als "eklig" empfand? Hat er einen Beleg dafür? "Eklig" – um dieses Wort in diesem Zusammenhang überhaupt zu gebrauchen – eklig sind für mich die Einspielungen der Bach-Kantaten von Herrn Koopmann als beredtes Beispiel dafür, wie man mit "modernem" überhöhtem Tempo und motorischer, aber taktloser Präzision die Bach'schen Texte fast ins Lächerliche kehrt. Wo bleibt da die "Recreation des Gemüths"?

  2. Suppenelse schreibt:

    Über Koopmans provokante Thesen (z. B. bezüglich der Kunst der Fuge) lässt sich trefflich streiten. Was aber Buxtehude angeht, hat er in meinen Augen völlig Recht. Es ist völlig unverständlich, dass dieser auch heute noch in vielen Köpfen ein Schattendasein führt. Ebenso trifft Koopman mit seiner traurigen Feststellung hinsichtlich Schubladen-Einteilung in "Großmeister" und "Kleinmeister" (unter der übrigens auch noch andere Komponisten als Buxtehude leiden) den Nagel auf den Kopf. Diese unselige Denkweise hat sich seinerzeit auch bei Haydn, Mozart und Beethoven in vielen Köpfen festgesetzt und wirkt teilweise bis heute nach. Auch Koopmans Hinweise auf entscheidende stilistische Unterschiede zwischen Buxtehude und beispielsweise Bach sind absolut angebracht, denn in der Tat ist in den Jahrzehnten vor Beginn der "historischen Aufführungspraxis" vieles falsch verstanden und so teilweise kaputtgemacht worden. Hier allerdings allein auf Tempo-Fragen abzuheben, wie es der obige Beitrag in meinen Augen tut, ist zu einfach – sind doch die Unterschiede (oder, wertend ausgedrückt: Fortschritte) dieser "modernen" Interpretationen gegenüber Karl Richter & Co. sehr vielfältiger Natur.

  3. Bernhard Blattmann schreibt:

    Wie kommt denn die "Welt" auf die Idee, dass Ton Koopman der Einzige sei, der sich mit Buxtehude beschäftigt? Er mag vielleicht der Einzige sein, der sich vorgenommen hat, das Gesamtwerk aufzunehmen (wobei man sich über den Sinn oder Unsinn solcher Projekte lange und ausgiebig streiten könnte), doch gibt es auf den Markt zahlreiche gute und manchmal sogar bessere Aufnahmen der Werke von Buxtehude. Selbst das lange vernachlässigte Vokalwerk ist diskographisch mittlerweile gut erschlossen. In der Konzertpraxis sieht es zwar etwas magerer aus, aber da kommen wir zu einem ganz anderen Thema…
    Die Aussage über C.P.E. Bach und "Die Kunst der Fuge" kann man eigentlich nicht ernst nehmen und spricht sowohl gegen Ton Koopman als auch gegen die Feuilleton-Redaktion der "Welt", die so einen Unfug auch noch abdruckt. Das hat ja fast schon "BILD"-Niveau…

  4. Kunde schreibt:

    "eklig sind für mich die Einspielungen der Bach-Kantaten von Herrn Koopmann als beredtes Beispiel dafür, wie man mit »modernem« überhöhtem Tempo und motorischer, aber taktloser Präzision die Bach‹schen Texte fast ins Lächerliche kehrt."

    Hallo Bremser, das ist ja wohl eine ganz qualifizierte Aussage.
    Wahrscheinlich sind Sie einer der vielen Kirchen- oder sonstigen
    Musiker, die selber nicht auf die Füße kommen und deswegen andere "anpinkeln"
    möchten.

  5. Herrewghe schreibt:

    Ton Koppman ist eines der wichtigsten Persönlichkeiten des Jahrhunderts in der Welt der Musik.

    Ich finde seine Werke sehr brilliant z.B. seine Matthäuspassion mit Klaus Märtens usw.

    Man muss solche Musiker unterstützen und schätzen denn soclhe gibt es sehr wenig.

    Herreweghe ist auch nicht schlecht.

  6. Albert Bolliger schreibt:

    Ton Koopman ist ohne Zweifel ein bedeutender Musiker, aber eine der wichtigsten Persönlichkeiten des Jahrhunderts? Wann hören die Leute, und heissen sie Herreweghe, endlich mit solchen unsinnigen, masslosen Übertreibungen auf? Von Buxtehudes Orgelwerken wäre u.a. nur schon die immer noch Massstäbe setzende Aufnahme von Harald Vogel an einigen der schönsten norddeutschen Orgeln zu nennen. Und was Tempi betrifft: ich halte sie für gut, solange sie vom Hörer nachvollziehbar und für diesen verständlich sind. Jede Einspielung wird unweigerlich historisch und nicht weniges, was noch vor zehn Jahren als richtig propagiert wurde, wird bereits schon wieder in Frage gestellt. Zum Glück: denn dadurch bleibt die Musik und die Auseinandersetzung mit ihr lebendig.

  7. Frank Ay schreibt:

    Mein Kompliment an Herrn Bolliger in die Schweiz – für mich gibt es seinem Kommentar nichts hinzuzufügen, ausser, daß ich seine Aufnahmen sehr schätze und sie als Bereicherung empfinde, sowohl in puncto Repertoire, Instrument als auch Artikulation und… Tempo ;-)
    NB: Bei diesen unseligen Tempodiskussionen wird immer wieder der entscheidende Faktor "Raumverhältnisse" vergessen. Ich denke, es gibt nicht das eine ideale Tempo, sondern nur ein gutes, auch der Raumakustik Rechnung tragendes. Was Buxtehude betrifft: Sollte uns die große Akustik der Lübecker Marienkirche nicht hier zum Nachdenken anregen? z. B. Tunders g-moll Präludium habe ich nirgends so überzeugend gehört wie in der Aufnahme von Martin Rost in Stralsund. Für mich ergibt sich die Großartigkeit des Stücks aus der "behäbigen Wucht", mit der er es realisiert. Ist natürlich subjektiv.

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