Von Hanswurst und Colombine

Marionetten- und Puppentheater mit Musik waren und sind in Österreich immer äußerst beliebt. Noch heute gibt es in Salzburg ein Marionettenoperntheater. Zwischen 1773 und 1779 gab es auch in der Sommerresidenz des Fürsten Nikolaus Esterházy auf Esterháza (im heutigen Ungarn gelegen) eine Marionettenbühne, und zu dieser Zeit war Haydn oberster Kapellmeister am Hofe. So entstand um 1776 »Die Feuersbrunst«: Haydn verwendet nicht nur Wiener Dialekt, sondern zeigt uns eine der letzten Hanswurst-Komödien, in der alle Sympathien dem armen Burschen aus dem Volk gelten. In ihrer Volkstümlichkeit und Deftigkeit scheint dieses köstliche Singspiel für die Dienerschaft geschrieben zu sein. Haydn folgt letztlich hier dem gleichen Prinzip der Volkstümlichkeit wie nach ihm Mozart in seiner »Zauberflöte«. Eine wahre Entdeckung zum Haydn-Jahr!

  • Joseph Haydn (1732–1809)
  • Die Feuersbrunst (oder »Das abgebrannte Haus«) (Marionetten-Singspiel H29b:A)
  • Otto Katzameier, Andreas Karasiak, Isa Katharina Gericke, Capella Augustina, Andreas Spering
  • 2 CDs (Shop)

Eine Operette vom Ziehrer

Johann Strauß hielt nichts von ihm, und würde man Ziehrer als seinen Konkurrenten bezeichnet haben, wäre er gekränkt gewesen: »Talent! Das hat der gute Ziehrer nicht und so hilft alles nichts …« schrieb er über den neuen Rivalen. Doch Ziehrer mauserte sich: 1885–93 war er Chefdirigent der berühmten »Hoch- und Deutschmeister-Kapelle« und wurde hier zum Inbegriff des feschen Militärkapellmeisters und 1907 wurde er gar zu Strauß’ Nachfolger als k.&k.-Hofballmusikdirektor. Seine Stärke waren schmissige, einprägsame melodische Einfälle, das Instrumentieren und Arrangieren in den Operetten überließ er lieber Anderen. So ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der Arrangeur seiner bezaubernden Operette »Die drei Wünsche« kein Geringerer als Alexander Zemlinsky war. Wie dem auch sei: Das Musik Theater Schönbrunn mit seinem Leiter Herbert Mogg hat damit eine lohnende Ausgrabung gemacht.

  • Carl Michael Ziehrer (1843–1922)
  • Die drei Wünsche
  • Volker Vogel, Donna Ellen, Valeriy Serkin, Anna Siminska u. a., Chor & Orchester des Musik Theaters Schönbrunn, Herbert Mogg
  • 2 CDs (Shop)

Ein niederländischer Beethoven

Wilms, geboren im Bergischen Land, sein Berufsleben dann aber vollständig in Amsterdam verbringend, hat ein beachtliches Lebenswerk hinterlassen. Seine Anfangserfolge waren sehr groß: »Dieser noch junge Komponist, voll Leben, Feuer und Anmuth, wird seinen Ruf bald überall verbreitet haben.« (AMZ 1807) Seine Musik aber hatte das Pech, dass sie öffentlich bekannt wurde, als sich ein Kanon von musikalischen Werken am Vorbild der Musik Beethovens zu bilden begann. Und gegenüber Beethovens Werken hatte Wilms’ Musik keine Chance: Etwa zwei Jahrzehnte lang waren seine Werke beliebt, dann fielen sie der Vergessenheit anheim. Dass seine Musik dennoch lebensfähig und eigenständig ist, zeigt unsere Einspielung.

  • Johann Wilhelm Wilms (1772–1847)
  • Symphonien Nr. 1 C-Dur op. 9 & Nr. 4 c-moll op. 23; Ouvertüre D-Dur
  • NDR Radiophilharmonie, Howard Griffiths
  • Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
  • SACD (Shop)

Norddeutsche Orgel-Entdeckungen – Vol. 7

Einem weiteren Meister ist Vol. 7 unserer Entdeckungsreise durch das norddeutsche Orgelbarock gewidmet: dem in Hamburg geborenen Johann Praetorius, der eines von sieben Kindern des Organisten Hieronymus Praetorius gewesen ist und der ab 1612 in Hamburg das Amt des Organisten und Kirchenschreibers an St. Nikolai innehatte.

Erst kürzlich wies ihm die Musikwissenschaft Orgelwerke zu, die bisher unter anderen z. T. berühmten Namen firmierten. Die Werke sind ausschließlich choralgebunden und beruhen sowohl auf gregorianischen als auch auf reformatorischen Cantus firmi. In allen Werken zeigt sich durch kontrapunktische Meisterschaft und Vielfalt der Satzstrukturen eine Qualität, die durchaus den zeitgenössischen Werken anderer entspricht.

  • Johann Praetorius (1595–1660)
  • Ausgewählte Orgelwerke
  • Friedhelm Flamme/Orgel Peter-und-Paul-Kirche Klostergut Holthausen
  • Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
  • SACD (Shop)

Weitere Rosetti-Hornkonzerte

Kein Instrument war im 18. Jahrhundert so sehr eine Domäne der Böhmen wie das Horn, und es verwundert nicht, dass auch Rosetti zahlreiche Hornkonzerte komponiert hat. Nach unserer bereits veröffentlichten CD mit Doppelhornkonzerten (Shop) stellen wir jetzt neben einem weiteren Doppelhornkonzert auch zwei Solohornkonzerte Rosettis vor.

Unsere Interpreten Klaus Wallendorf und Sarah Willis zeigen erneut in ausgedehnten, technisch höchst anspruchsvollen und schnellen Passagen ihre virtuosen Fähigkeiten. Neben motivischen und dynamischen Kontrasten stehen ausdrucksvolle Kantilenen der Soloinstrumente.

  • Antonio Rosetti (1750–1792)
  • Hornkonzerte Murray C48 & C50; Konzert für 2 Hörner & Orchester Murray C61; Andante aus Konzert für 2 Hörner & Orchester Murray C55Q
  • Klaus Wallendorf, Sarah Willis, Kurpfälzisches Kammerorchester, Johannes Moesus
  • CD (Shop)

Streichquartette von Herzogenberg

Auf drei CDs wird cpo sämtliche Streichquartette vorstellen, z. T. kombiniert mit weiterer Kammermusik des zu Unrecht vergessenen Komponisten. Auf Vol. 1 veröffentlichen wir sein 5. Streichquartett op. 63, das Herzogenbergs letzter Beitrag zu dieser Gattung gewesen ist und dessen feuriges Finale mit kraftvoller, ländlich-burlesker und temperamentvoller Thematik der absolute »Highlightsatz« des Werkes ist. Der Pianist Oliver Triendl stellt dann noch mit dem Minguet Quartett Herzogenbergs Klavierquintett op. 17 vor, das Alfred Volkland gewidmet ist und über das sich Hermann Kretzschmar, Nachfolger Volklands als Dirigent des Bach-Vereins, wie folgt äußerte: »Endlich wagt es wieder einmal Einer, keinen Sonatensatz zu schreiben. Es sieht zwar fast so aus, als wäre ein zweites Thema da, eigentlich aber bleibt das Hauptthema mit seinem prononcirtesten rhythmischen Motive immer auf dem Posten«.

  • Heinrich von Herzogenberg (1843–1900)
  • Streichquartett op. 63 f-moll;
  • Klavierquintett op. 17 C-Dur
  • Oliver Triendl (Klavier), Minguet Quartett
  • CD (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun

Ein Kommentar zu »Neu bei cpo«

  1. jpc.de schreibt:

    Burkhard Schmilgun stellt die cpo-Neuheiten des Monats vor. Dieses Mal sind zwei SACDs dabei: http://bit.ly/fotlj

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