Dauerbeschallung entwertet die Musik. Dieser Meinung ist zumindest Edo Reents, seines Zeichens Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Allgegenwart von konsumierbarer Musik schreibt er in seinem Feuilleton-Beitrag der Erfindung des iPhones zu und überspringt dabei gleich mal ein paar Generationen von portablen Abspielgeräten vom Walkman über verschiedenste MP3-Player bis zu den aktuellen iPods und natürlich auch dem iPhone in seiner heutigen Ausprägung.

Ist es wirklich so? Fehlt den Menschen die Wertschätzung für Musik? Und wenn: Ist nur die ständige Verfügbarkeit von Musik dafür verantwortlich, dass Mancher sie nicht mehr wertschätzen kann? Oder ist es mangelnde Wertschätzung durch den Konsumenten, die ihn erst veranlasst, sich mit mehr oder weniger seichter Musik berieseln zu lassen? Aber war es dann wirklich erst die Einführung der tragbaren Abspielgeräte oder nahm das Unheil nicht schon mit der Erfindung der Tonträger seinen Lauf? Davor war der Aufwand für den Musikgenuss schließlich ungleich höher. Und was wird es in Zukunft geben, das uns an die guten alten Zeiten des iPods zurückerinnern lässt?

Für Edo Reents gibt es aber auf jeden Fall einen Tipp, der ihm gegen die Dauerbeschallung helfen könnte: Einfach mal abschalten.

3 Kommentare zu »Entwertet Dauerbeschallung die Musik?«

  1. Joachim Kranzbühler schreibt:

    Man muss ihm recht geben, dem Redakteur. Von Natur aus misstrauisch gegen Redakteure (niemand schadet unserer deutschen Sprache mehr, als jene Spezies), sie sind meist treue Diener ihres Herrn (dess Brot ich fress, dess Lied ich sing), in diesem Fall liegt mal einer ausnahmsweise richtig. Ich bin zwar kein Konsumverweigerer, aber das ewige Beschallen mit Musik (Musik in Anführungszeichen), macht mich aggressiv! Ja, man sollte es nicht für möglich halten. Ist aber so. Wenn ich dann nach Hause komme: ganz schnell einen Mozart rein; dann kann ich mich wieder abreagieren. Musik und Musik sind eben doch verschiedene Dinge. Sollte sich vor allem unsere Jugend mal durch den Kopf gehen lassen.

  2. Joost Kiefte schreibt:

    Der Autor hat schon Recht wenn er sich beklagt über die allgegenwärtigkeit der Musik. Aber die Musik die immer in Läden und sonstwo gespiellt wird ist überhaupt nicht 'mein Ding', also sehne ich mich freilich wenn ich zu Hause bin nach meiner 'eigenen' Musik, der ich schon der ästhetischen Bereinigung wegen dann dringend benötige. Unser Zeitalter hat uns bereichert um einer Auswahl und Fülle an Musik die vor knapp 30 Jahren kaum denkbar war. Viel mehr Musik ist für ein viel grösseres Publikum erschlossen und nicht mehr vorbehalten an einer kleinen Gruppe mehr oder weniger gut betuchter Feinschmecker und Fanatiker. Um es mal mit Johan Cruijf zu sagen: jeder Vorteil hat seinen Nachteil.

  3. Frank Ay schreibt:

    Abgesehen von der Erwähnung der neuesten Wiedergabetechnik (iPhone) bietet der Artikel keine neuen Einsichten. Die Krux ist m. E. nicht das mehr oder weniger reiche Musikangebot, sondern die fehlende Fähigkeit zur Selektion. Ein Ärgernis sind sicherlich Muzak-Attacken denen man nicht ausweichen kann, alles andere kann ich jedoch nach eigenem Ermessen "filtern" und selbst entscheiden was ich für wertvoll halte und was nicht – eine entsprechende Erziehung zur kritischen Haltung (!) und ein Interesse gegenüber Neuem, Besseren vorausgesetzt. Hier sind Eltern und Schule gefragt sowie ein entsprechendes Angebot zum Kennenlernen – dies wiederum war noch nie so leicht verfügbar wie in der heutigen Informationsgesellschaft. Damit dürfte die Frage nach Sinn und Unsinn der Massenmedien m. E. beantwortet sein.

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