Musikwoche.de schrieb am Freitag letzter Woche über den Halbjahresbericht der EMI. Darin wird über das soeben gestartete Experiment berichtet, das neue Album von Lily Allen bis zum 16. Februar in den USA als Download zu 3,99 Dollar (ca. 3,10 Euro) zu verkaufen. Die Marketing-Leute der EMI versuchen auf diesem Weg, mit niedrigen Preisen Kunden anzulocken – ein wahrhaft bahnbrechendes Experiment im Endkundengeschäft.
Die grandiose Erkenntnis, dass durch günstige Preise Endverbraucher angelockt werden, war mir bereits geläufig, als meine Eltern mir als 6-Jährigem das erste Taschengeld zukommen ließen. Bei der EMI brauchen deren Marketing-Profis dazu leider ein wenig länger. Deshalb mein Vorschlag, wie sie gleich zu einer weiteren Erkenntnis kommen könnten: Gleich das CD-Album für den Handel in Deutschland so reduzieren, dass die Lily auch hier in Deutschland für 3,99 Euro verkauft werden kann. Meine vielleicht etwas gewagte Vorhersage: Die Nachfrage wird steigen. Aber wie singt das Mädel auf ihrem Album: "Never Gonna Happen".
Ein Kommentar zu »Die Marketing-Genies der EMI«
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am 12.2.2009 um 09:20 Uhr
Mir gehen diese ewige Preisdiskussion und das Kopierschutzgejammer gehörig auf den Zeiger. Seit Jahren eine never ending story und man fühlt sich, als hätte man über zwei Stunden im Kino einen Blockbuster gesehen, der abrupt und ohne Auflösung der Story mit dem Abspann endet. Man ist noch ganz gefangen, bleibt brav sitzen – aber es passiert nichts mehr. Und alle paar Monate darf irgendein Praktikant, Unternehmensberater und die Klofrau ein alternatives Ende drehen.
Angefangen bei der Format-Diskussion Anfang der 90er: Die totgesagte und mit viel Getöse eingestampfte Vinyl-LP ist wieder auferstanden und dürfte nun ganz brav als Premium-Produkt jeden damaligen Zerstückelungs-Metzger äh –Manager überlebt haben. Die MC sollte erst gerettet, dann von DCC und MiniDisc ersetzt werden und rein gar nix blieb übrig davon.
Doch das in der Herstellung billigste aller Formate wurde schon damals preislich 10,- DM (5,- Euro) oberhalb einer LP/MC positioniert, hat knapp 30 Jahre überlebt und kostet immer noch annähernd das gleiche wie damals, wird aber aufgrund dessen nicht mehr gekauft.
Die Musik-Mafia schnallt überhaupt nichts. Da werden Single-, Maxi-, Premium-, Schnuffel- oder sonstige Willkür-CD-Formatbezeichnungen mit 2 Tracks veröffentlicht und kosten im stationären Laden und in Online-Shops zwischen 6,49 und 8,99 Euro. Also bis zu 4,49 Euro PRO SONG!!! Und für unter 1,- Euro gibt es das ganze bereits als Download oder noch schlimmer: ganz umsonst. Und fünf Meter oder einen Klick weiter gibt es dann auch noch das ganze Album mit 13 Songs für 9,99?!?!
Das ist heute die schizophrene Realität dieser Branche und soll nun durch 4,- Dollar für Lily Allen auch noch mal torpediert werden.
Ich stimme Gerhard Georg Ortmann absolut zu: Musik muss Taschengeldkompatibel sein! Bezahlbare Single-Formate für die Kids, Alben für die Fans und Besserverdiener. Jeder Marketing-Idiot lernt K.I.S.S.: Keep It Simple + Stupid. Doch bei der EMI bringt man den Mitarbeitern lieber die eigene Strategie-Abkürzung bei:
E.M.I. = Extremely Musical/Managed Incompetence
Früher war nicht alles besser aber die Formate und Preise deutlich einfacher. Deshalb meine simple Strategie:
a) CD-Single (2 Tracks) für max. 3,- Euro
b) CD-Maxi (ab 3 Tracks) für max. 5,50 Euro
c) CD-Album für max. 12,- Euro
d) CD-Album mit DVD-Bonus für max. 15,- Euro
e) CD-Backprogramm für max. 6,- Euro
Und die Downloads dürfen ruhig billiger sein. Aber der Abstand zum physischen Produkt muss einfach realistischer sein als heute.
PS Liebe Musik-Vernichtungsmanager: Ihr habt nicht mehr alle Latten am Zaun. Eure Bürofenster gehören vergittert und Ihr sollt jeden Tag 5.000 Mal „Ich darf nicht planlos mein eigenes Grab schaufeln“ an eure Gummiwände schreiben!