Vom Untergang der Titanic

CoverabbildungEr ist derjenige schwedische Komponist, der uns noch in unserer Reihe der tonangebenden Tonsetzer des 20. Jahrhunderts fehlt: Nach Atterberg, Rangström, Peterson-Berger und Wirén jetzt also: Natanael Berg. Neben seinem medizinischen Examen studierte er auch Musik. Bergs Interesse galt dem großbesetzten, reichinstrumentierten Orchester. Seine 5 Symphonien haben alle programmatische Titel. Die zweite heißt »Die Jahreszeiten« und die erste, in der er die verschiedenen Phasen des Lebens beschreiben wollte und der er das Motto gab »Alles endet was entstehet« hat eine besondere Geschichte: »Während ich am 4. Satz komponierte, geschah etwas, das die gesamte Welt schockierte. Am 14. April 1912 kollidierte die Titanic mit einem Eisberg, und 1635 Menschen kamen ums Leben. Ich schrieb just in der leuchtendsten Tonart E-Dur, doch ich vernichtete das und beendete das Werk mit einem Trauermarsch.«

  • Natanael Berg (1879–1957)
  • Symphonien Nr. 1 & 2
  • Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Ari Rasilainen
  • CD 8996730

Von alten und neuen Quartetten

Coverabbildung1737 erfüllte sich Telemann einen langgehegten Wunsch: Er reiste für einige Monate nach Paris. Der Aufenthalt wurde ein grandioser Erfolg. Neben vielbeachteten Konzerten erwarb er zudem ein königliches Privileg, das ihm ermöglichte, eigene Kompositionen in Paris drucken zu lassen. Mit diesem Privileg erschienen u. a. die »neuen Quatuors«, die sog. Pariser Quartette. Wir wissen nicht, ob Telemann die sechs Nouveaux Quatuors in Paris komponiert hat. Auf jeden Fall: Wo es neue Quartette gibt, muss es auch alte geben, und das waren in diesem Fall die 6 Quadri, die Telemann schon 1730 in Hamburg veröffentlicht hatte. Später hat man dann vereinfachend alle 12 Quartette »Pariser« genannt. Es ist der Höhepunkt der Telemannischen Kammermusik: Raffiniert, abwechslungsreich, phantasievoll.

  • Georg Philipp Telemann (1681–1767)
  • Pariser Quartette Vol. 1
  • John Holloway, Linde Brunmayr, Lorenz Duftschmid, Ulrike Becker, Lars-Ulrik Mortensen
  • CD 1842263

Flötenkonzerte mit geistreicher Frische

CoverabbildungNeues vom Wiener Komponisten des Sturm und Drang, der sein Gück und seinen Ruhm allerdings in Mannheim machte: Ignaz Holzbauer. Als Kapellmeister in Mannheim hatte er eine der glänzendsten Positionen jener Zeit erreicht. Neben einer stattlichen Anzahl an Kammermusik für Flöte schrieb er auch Flötenkonzerte, für die er ausschließlich die Begleitung des Soloinstruments durch ein vierstimmiges Streichorchester wählte. »Wie ein gut gemachtes Kleid«, um mit Mozart zu reden, schneidet Holzbauer in den Konzerten Melodie und Thematik auf die Bedürfnisse der Flöte zu und lässt gleichzeitig charakteristische Orchestereffekte der »Mannheimer Schule« sowie pochende Rhythmik à la Vivaldi einfließen. Mit schönem Ton, der sanglichen Melodieführung sowie lebhafter Virtuosität faszinieren auch heute noch die Konzerte Holzbauers.

  • Ignaz Holzbauer (1711–1783)
  • Flötenkonzerte
  • Karl Kaiser, La Stagione Frankfurt
  • CD 7735345

Bernardo Storace auf Cembalo und Orgel

CoverabbildungSämtliche biografische Daten über den italienischen Komponisten und Organisten Storace sind nur aus dem Vorwort zu seiner 1664 in Venedig veröffentlichten Sammlung »Selva di varie compositioni d'intavolatura per cimbalo et organo« überliefert. Eine Auswahl der Sammlung der zahlreichen Variationen über bekannte Tänze und Melodien der Epoche stellt Jörg Halubek, der 2004 den ersten Preis im Fach Orgel des Internationalen J.S.-Bach-Wettbewerbs in Leipzig gewann, jetzt auf cpo vor. In Storaces Werk zeigt sich die deutliche kompositorische Absicht, größere Formen zu gestalten und einzelne Variationssätze zu einem geschlossenen Stück miteinander zu verbinden. Furiose Virtuosität bis zum Ende!

  • Bernardo Storace (ca. 1637–ca. 1707)
  • Werke für Cembalo und Orgel
  • Jörg Halubek, Cembalo & Orgel
  • CD 7346557

Telemanns »Kantaten-Theater«

CoverabbildungSelbst ein Bariton, ist es nicht verwunderlich, dass sich unter den mehr als 1400 erhaltenen Kirchenkantaten aus der Feder Telemanns auffallend viele Werke für Solo-Bass befinden. Die Kantaten weisen ein für die Zeit außergewöhnliches Element auf: die Dramatik. Unser Textautor spricht von »Geistlichem Musiktheater«. Schnell befinden wir uns mitten im Geschehen und schon bei einer der ältesten erhaltenen Kantate »Ich will den Kreuzweg gerne gehen« folgt einem dramatischem Monolog mit emotionsgeladenen Bekenntnis zum Kreuzweg zunächst ein sachlich-nüchternes Secco-Rezitativ, das dann wieder in gefühlsbetonte Arien überleitet. Und auch in den anderen Kantaten bringt Klaus Mertens u. a. die geistige Qual Jesu dem Zuhörer unwiederbringlich nahe.

  • Georg Philipp Telemann (1681–1767)
  • Passions-Kantaten
  • Klaus Mertens, Accademia Daniel, Shalev Ad-El
  • CD 2464239

Ehrenrettung für Francesco Feo

CoverabbildungZweifellos gehört Feo zu den bedeutenden neapolitanischen Komponisten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. War doch Feo, der sein ganzes Leben in Neapel tätig war, in Italien zu seiner Zeit sehr erfolgreich und auch am sächsisch-polnischem Hof wurden Werke von ihm aufgeführt. Messen bestanden normalerweise in der neapolitanischen Kirchenmusik nur aus Kyrie und Gloria – wenn die übrigen Teile vertont wurden, waren es kaum mehr als »Anhängsel«. Letzteres trifft auch auf die hier erstmals zu hörende Messe im neapolitanischen Kirchenmusik-Stil zu. »Matthias Jung und das Vocalensemble bewiesen auch diesmal wieder Erfahrung und stilistische Sicherheit bei der Interpretation alter Musik«. (Dresdner Zeitung, Feo-Konzertkritik)

  • Francesco Feo (1691–1761)
  • Missa; Confitebor a 5
  • Anja Zügner, Dorothea Wagner, Dominika Hirschler, Tobias Hunger, Tobias Berndt, Sächsisches Vocalensemble, Batzdorfer Hofkapelle, Matthias Jung
  • CD 1899818

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun

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