Bevor er exklusiver Philips-Künstler wurde, nahm Alfred Brendel in den Jahren 1955 bis 1975 für die amerikanischen Labels Turnabout, Vox und Vanguard auf. Diese frühen Einspielungen, die bisher kaum erhältlich waren, sind wertvolle Dokumente eines Jahrhundert-Künstlers am Beginn seiner großen Karriere. Bei Brilliant Classics sind nun sämtliche Aufnahmen der drei Labels in einer 35 CD starken Box erschienen, darunter alle Klavierkonzerte und -sonaten Beethovens, Mozarts bedeutende Klavierkonzerte sowie Werke von Schubert, Schumann, Schönberg, Mussorgsky, Strawinsky, Balakireff und Prokofieff. Mit € 39,99 (Shop) ist diese lohnenswerte Edition sensationell günstig.
Als erste LP des DDR-Labels Eterna erschien im Jahre 1955 Beethovens Eroica mit der Staatskapelle Dresden und Franz Konwitschny als Dirigent. Im Laufe der Jahre wuchs der Eterna-Katalog um eine Vielzahl von Aufnahmen mit künstlerisch hochrangigen Einspielungen und international bekannten Solisten, Orchestern und Dirigenten. Zwölf der interessantesten und spektakulärsten Aufnahmen aus den Jahren 1955 bis 1985 sind nun wieder als 180g-Vinyl-Pressungen zu bekommen, und zwar in der originalen LP-Optik. Die Aufnahmen wurden unter Verwendung der Originalbänder im DMM-Verfahren geschnitten – und auf exakt der Maschine, die bereits zu DDR-Zeiten Verwendung fand. Auf Seite 49 im aktuellen jpc-courier finden Sie alle Infos.
Obwohl erst das Jahr 2009 offiziell zum Händel-Jahr proklamiert wird (250. Todestag des Komponisten), sind bereits in 2008 zahlreiche Händel-CDs erschienen. Auch das Label BIS hat sich mit Händel beschäftigt und mit der Aufnahme der zwölf Concerti grossi op. 6 eine neue Referenz-Einspielung dieser Werkgruppe vorgelegt. Das polnische Ensemble »Arte dei Suonatori« unter der Leitung von Martin Gester interpretiert die Konzerte in der Tradition der historischen Aufführungspraxis. Überragend ist auch die Klangqualität dieser Veröffentlichung, dank SACD-Technologie ist den Tonmeistern eine unglaublich plastische Abbildung gelungen.
Geposted von Norbert Richter am 22.8.2008
Schlagwörter: Alfred Brendel, Franz Konwitschny, Highlights, Klassik, Super Audio CDs, Vinyl
Sinfonien eines Urmusikanten
Kabalevsky gilt Vielen heute noch als komponierender Handlanger des sowjetischen Regimes. Es gibt denn auch im Westen kaum Literatur über ihn, der ja immerhin einer der wichtigsten, versiertesten und meistgespielten Komponisten Sowjetrusslands war. In der langen Zeit des kalten Krieges hatte sich eh nachhaltig das Vorurteil eingenistet, die sowjetischen Komponisten seien letztlich vor allem Propagandisten der kommunistischen Weltanschauung bolschewistischer Couleur. Hier tut Differenzierung Not! Unsere Gesamteinspielung der vier Sinfonien Kabalevskys – die Dritte »Requiem für Lenin« sogar in Ersteinspielung! – zeigt da überhaupt keinen Propagandakomponisten, sondern eine »ausdrucksvoll-romantische Musikantenseele voller Energie«, wie unser Booklet-Autor Christoph Schlüren konstatiert.
- Dimitri Kabalewsky (1904–1987)
- Sämtliche Symphonien
- NDR Chor, The Choir of Hungarian Radio, NDR Radiophilharmonie, Eiji Oue
- 2 CDs (Shop)
Nerudas galanter Stil
Nach seiner Ausbildung in Prag spielte der böhmische Komponist Neruda zuerst im dortigen Theaterorchester. 1750 wurde er Violinist, später war er bis 1772 Konzertmeister der Dresdener Hofkapelle. Die Triosonaten boten für Neruda eine Gelegenheit, seine »galanten und gefälligen Gedanken« in einer bei Liebhabern sehr verbreiteten Form zu präsentieren: Kurze Motive in allerlei Abwandlungen und Wiederholungen bilden mit dem schwungvollen Themenkopf am Anfang jeder Sonate wesentliche Erkennungsmerkmale des galanten Stils, der sich auch in dem Fagottkonzert wiederfindet.
- Johann Baptist Georg Neruda (1711–1776)
- Triosonaten Nr. 2, 4–6; Concerto C-Dur für Fagott, 2 Violinen, Viola, Bc
- Sergio Azzolini (Fagott), Parnassi musici
- CD (Shop)
Telemanns Kapitänsmusik 1724
Als reichsunmittelbare Stadt hatte Hamburg für seine Verteidigung selbst Sorge zu tragen. Seit 1619 gab es eine feste Institution für diese Verteidigung: die Bürgerwache. Die verantwortungsvollste Position kam den 57 Kapitänen zu. Den gebührenden Dank für diese bedeutungsvolle Tätigkeit entrichtete die Stadt in Form der nahezu alljährlichen Festmahle. Und natürlich einer großen, zweiteiligen Festmusik. Von den ca. 30 »Bürgerkapitänsmusiken«, die Telemann zwischen 1723 und 1767 schrieb, sind leider nur neun Werke vollständig erhalten. Die haben es aber in sich und zeigen, dass wir es hier beileibe nicht mit nebensächlichen Gelegenheits- und Auftragswerken zu tun haben, sondern mit Oratorien von höchstem Rang innerhalb Telemanns Schaffen.
- Georg Philipp Telemann (1681–1767)
- Hamburgische Kapitänsmusik 1724 TVWV 15:2
- Magdalena Podkoscielna, Andreas Post, Matthias Vieweg, Ekkehard Abele, Telemannisches Collegium Michaelstein, Ludger Rémy
- Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
- SACD (Shop)
Norddeutsche Orgel-Entdeckungen – Vol 5
Zwei eher unbekannten Meistern ist das Vol 5 unserer Entdeckungsreise durch das norddeutsche Orgelbarock gewidmet: Melchior Schildt und Peter Morhard. Die Berufsstationen Schildts sind immerhin bekannt: Wolfenbüttel, Kopenhagen (als Hoforganist König Christians IV.) und dann bis zum Lebensende Hannover. Er war zeitlebens hochgeachtet als berühmter Orgelvirtuose, der durch Ausdruckskraft und Originalität überzeugte. Zu Peter Morhard sind nur spärliche biographische Angaben vorhanden: von 1662 bis zu seinem Tod 1685 war er Organist an der Michaeliskirche Lüneburg.
- Melchior Schildt (1593–1667)
- Sämtliche Orgelwerke
- Peter Morhard (gest. 1685)
- Sämtliche Orgelwerke
- Friedhelm Flamme/Gerhard-von-Holy-Orgel Bartholomäuskirche Dornum
- Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
- SACD (Shop)
Klöcker spielt Pleyel
Pleyels umfangreiches OEuvre »schlummert« auch heute noch weitestgehend in Archiven. Dabei fand der Meisterschüler Haydns damals eine hohe Anerkennung als Instrumentalkomponist, weil er es verstand, sich international an verschiedenen Stilen zu orientieren. Seine Klarinettenkonzerte gehören zweifellos zu seinen wichtigsten Stücken. Jost Michaels ordnet das 1. Konzert sogar als das wichtigste Klarinettenkonzert vor Mozart ein. Faszinierend, wie Pleyel mit seinem schlichten Anfangsthema einen Weg durch das Konzert geht, das nach einem langsamen Satz in die virtuose Auflösung des Rondos mündet. Und auch in seinem Klarinetten-Doppelkonzert, der »Sinfonia Concertante «, zeigt sich, in welchem Maße er die ganze Palette des Instruments auszunutzen versteht.
- Ignaz Pleyel (1757–1831)
- Klarinettenkonzerte Nr. 1 & 2 / Sinfonia concertante B-Dur für 2 Klarinetten & Orchester
- Dieter Klöcker, Sandra Arnold, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Sebastian Tewinkel
- CD (Shop)
Goldmarks Klavierquintette
Goldmark gehört auch zu jenen Komponisten, deren einstmals strahlender Ruhm zu einem blassen Schimmer verkümmert ist. Dabei hatte Goldmark eine Riesenkarriere gemacht: Vom Sohn eines armen jüdischen Kantors in der ungarischen Provinz, zu Beginn ohne Schulunterricht, bis zum Professor für Komposition und Komponisten in Wien. In seinen Klavierquintetten zeigen sich typische »goldmarkige« Erfindungen: In dem 1879 als Opus 30 gedruckten Quintett finden sich raffinierteste Instrumentaleffekte und eine modulatorische Beweglichkeit, die ihre Wurzeln bei Franz Schubert zu haben, diesen aber noch in den Schatten zu stellen scheint. Auch in seinem späten Quintett op. 54 finden sich trotz »moderner« Anklänge seine typischen Umgehensweise mit Harmonik, verschärfter Motivik und permanenten Modulationen – ein Spätwerk, das die unverbrauchte musikalische Kraft Goldmarks hörbar macht.
- Karl Goldmark (1830–1915)
- Klavierquintette opp. 30 & 54
- Oliver Triendl (Klavier), Quatuor Sine Nomine
- CD (Shop)
Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun
Geposted von Burkhard Schmilgun (cpo) am 4.8.2008
Schlagwörter: CDs, cpo, Dimitri Kabalewsky, Georg Philipp Telemann, Ignaz Pleyel, Johann Baptist Georg Neruda, Karl Goldmark, Melchior Schildt, Peter Morhard, Super Audio CDs
Gute Nachrichten für die Freunde der SACD: Die aktuelle Ausgabe des Magazins STEREO meldet, dass Pioneer im Oktober einen Blu-ray-Player auf den Markt bringen will, der auch SACDs abspielen kann. Der Verkaufspreis soll zwischen 2000 und 2500 EUR liegen.
Für das kommende Jahr planen auch Denon und Marantz Player, die sowohl Blu-ray- als auch SACD-tauglich sind.
Erfahrungsgemäß werden die Preise für diese Geräte, wie in der Branche üblich, im Laufe der Zeit moderater werden. Man erinnere sich nur an den ersten Alleskönner von Pioneer, der bei Markteinführung um 3000 DM kostete und dessen derzeitiger Nachfolger heute bei 178,00 EUR liegt.
Geposted von Norbert Richter am 10.6.2008
Schlagwörter: Blu-ray, Super Audio CDs, Technik
Diese Woche beim Spiegel abgehört: Gas – »Nah und Fern«, Paul Weller – »22 Dreams«, Ellen Allien – »Sool«, The Ting Tings – »We Started Nothing« und Martha Wainwright – »I Know You’re Married But I’ve Got Feelings Too«.
Geposted von Andreas Schulze am 27.5.2008
Schlagwörter: Pop/Rock, Rezensionen, Super Audio CDs
Auf die Frage, warum denn nicht mehr Neuheiten auf hybriden SACDs veröffentlicht werden, bekommen wir fast ausschließlich die Antwort, dass sich die SACD nicht durchgesetzt hat und seitens der Industrie kein Interesse an weiteren Veröffentlichungen besteht.
Nur einige wenige Firmen sehen das anders und veröffentlichen gerne mal einen Titel wie z. B. aktuell von Ray Charles und Count Basie »Ray Sings, Basie Swings« (Shop).
Dass unsere Kunden dennoch großes Interesse an hybriden SACDs haben, konnten wir in den letzten Wochen eindrucksvoll feststellen. Die Aktion mit 7 Titeln aus dem Backprogramm von Peter Gabriel hat unsere Erwartungen voll erfüllt, ja sogar übertroffen. Warum diese Titel allerdings nicht von EMI Deutschland für einen begrenzten Zeitraum zu einem abgesenkten Aktionspreis angeboten wurden, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben.
Es stellt sich daher die Frage, warum die arg gebeutelte Industrie lieber weiter jammert und den Mitbewerbern aus dem europäischen Ausland das Terrain überlässt.
Dass so gar kein Interesse an hybriden SACDs vorhanden ist, mag auch so recht niemand glauben. Als Beispiel sei nur das aktuelle Genesis-Boxset 1983–98 (Shop) genannt, das schließlich doch einen recht großen Käuferkreis trotz des hohen Preises gefunden hat.
Würde EMI tatsächlich kein Interesse an solchen Veröffentlichungen haben – warum erscheint dann diese Box?
Und: warum ist es nicht möglich, z. B. den Backkatalog von eh schon soundtechnisch gut produzierten Alben (Pink Floyd, King Crimson, usw. usw. usw.) ebenfalls als hybride SACDs zu veröffentlichen? Kein Interesse? Dann jammert weiter!
Wir zumindest freuen uns über solch gelungene Aktionen und können dem geneigten Interessenten hier nun 10 Titel aus dem Backkatalog von Bob Dylan als hybride SACDs zum Aktionspreis solange der Vorrat reicht anbieten. Hier geht es zur Aktion.
Parallel läuft die Peter-Gabriel-Aktion weiter, ebenfalls solange der Vorrat reicht.
Geposted von Andreas Schulze am 19.10.2007
Schlagwörter: Super Audio CDs
Andreas Spreer, Inhaber und Tonmeister des audiophilen Labels Tacet, hat heute einen Artikel zur Situation von SACD und DVD-Audio veröffentlicht. Wir haben die freundliche Genehmigung erhalten, den Artikel hier im jpc-Weblog wiederzugeben.
Uns ist bewusst, dass das Thema Mehrkanalaufnahmen durchaus kontrovers diskutiert wird. Kommentare zu diesem Artikel sind an dieser Stelle daher – wie bei allen Artikeln hier im Weblog – ausdrücklich erwünscht.
Geposted von Stefan David am 15.6.2007
Schlagwörter: DVD-Audio, Klassik, Super Audio CDs
