Hermann Max und J. S. Bach
Hermann Max hat mit seiner Rheinischen Kantorei und dem Kleinen Konzert Interpretationsgeschichte vornehmlich des 17. und 18. Jahrhunderts geschrieben. Neben den großen »klassischen« Meisterwerken hat sich Max immer die Neugier auf Ausgrabungen und Entdeckungen bewahrt und ist immer begeistert auf meine Ideen eingegangen: die Ferdinand Ries-Entdeckungen sind da klingender und überzeugender Beweis. Doch nun war es an der Zeit, endlich auch einmal das vielleicht populärste geistliche Werk des großen Thomaskantors in Max’ Interpretation zu dokumentieren. Ohne jede Betulichkeit, mit scharfen rhythmischen Akzenten und flotten Tempi, brillant im Surroundklang haben wir hier das Weihnachtsoratorium fürs 21. Jahrhundert!
- Johann Sebastian Bach (1685–1750)
- Weihnachtsoratorium BWV 248
- Veronika Winter, Wiebke Lehmkuhl, Jan Kobow, Markus Flaig, Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max
- 2 SACDs (Shop)
Weihnachten mit Orgel
Gerade bekam Gerhard Weinberger für seine cpo-Gesamteinspielung der Bach-Orgelwerke den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Jetzt stellt er zusammen mit seiner Frau Beatrice-Maria Orgelwerke zur Weihnacht verschiedenster Komponisten vor. Auf der Orgel der Klosterkirche Roggenburg, die mit einer für das 18. Jahrhundert beachtlichen Zahl von 43 Registern, verteilt auf drei Manuale und Pedal, zu einer Reihe bedeutender Monumentalorgeln aus Oberschwaben gehört, spielen sie »im Duett« und auch solo Stücke von John Marsh – einem der herausragenden Musiker seiner Generation in Südengland –, von Giovanni Morandi aus Pergola, von dem Berliner Julius Schneider, von den bekannten französischen Komponisten und Organisten Théodore Dubois und Charles-Marie Widor sowie modernere Stücke von Ralf Bölting und Robert J. Powell.
- Weihnachtsmusik für Orgel & für Orgel 4-händig
- Werke von Händel, Morandi, Schneider, Widor, Dubois, Lehrndorfer, Bölting, McConnaughey, Powell, Callahan
- Beatrice-Maria Weinberger & Gerhard Weinberger/Orgel der Klosterkirche Roggenburg
- CD (Shop)
Weihnachtsoratorium von Mattheson
Nach der cpo-Einspielung des Oratoriums »Der liebreiche und geduldige David« sind wir froh, auch noch ein Weihnachtsoratorium von Mattheson vorstellen zu können. »Das größte Kind« ist ein Oratorium im wahren Sinne, sprich ein vollständig gedichtetes Werk, dessen Text auf verschiedene handelnde Personen verteilt ist. Die formale Nähe zur zeitgenössischen Oper ist unüberhörbar. Bei dem Text handelt es sich nicht um eine Originaldichtung, sondern basiert auf einem Dialogus von der Geburt Christi. Das größte Kind gehört zu Matthesons am reichsten besetzten Partituren. Besonders auffällig ist die gleichzeitige Verwendung von Hörnern und Trompeten in den Chorsätzen, die sonst in keinem Werk Matthesons zu finden ist.
- Johann Mattheson (1681–1764)
- Das größte Kind (Weihnachtsoratorium)
- Susanne Rydén, Nele Gramß, Anne Schmid, Gerd Türk, Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
- CD (Shop)
Orchestrale Kammermusik
Großformatige Werke sind es, die man vor allen Dingen mit dem Namen Korngold in Verbindung bringt. Doch während seiner gesamten schöpferischen Karriere hat der Komponist auch schöne Kammermusiken geschrieben. Bei Werken für kleinere Besetzungen legte sich Korngold niemals stilistische oder intellektuelle Zügel an. Statt dessen lag ihm daran, die eingesetzten Mittel dergestalt zu erweitern, dass es ihnen an nichts fehlte, und so kommt es eben auch in Werken wie dem hier vorliegenden Streichquintett oftmals zu geradezu orchestralen Klängen. Sein erstes Streichquartett zeichnet sich vor allem durch viele überraschende Einfälle und extrem hohe technische Anforderungen aus. Den größten Teil seines – 10 Jahre später entstandenen – zweiten Streichquartetts schrieb Korngold in seinem Landhaus in Gmunden am Traunsee. Man kann in der melodischen Fundgrube dieser Partitur deutlich den großen Einfluss der hinreißend schönen oberösterreichischen Landschaft spüren.
- Erich Wolfgang Korngold (1897–1957)
- Streichquartette Nr. 1–3 (op. 16, 26, 34)
- Klavierquintett op. 15
- Henri Sigfridsson (Klavier), Aron Quartett
- 2 CDs (Shop)
Puschkin als Operette?
Nein, mit Puschkins Erzählung »Pikawaja Dama« von 1834, die dann 50 Jahre später als »Pique Dame« im der Vertonung von Tschaikowski Operngeschichte schrieb, hat die 1864 uraufgeführte Operette gleichen Namens von Suppé fast nichts gemein. Außer, dass es auch hier um Spielkarten geht, immerhin hieß die – nicht sonderlich erfolgreiche – Urfassung des Schwanks »Die Kartenschlägerin«. Die Ouvertüre ist das Einzige, was vom Gesamtwerk überlebt hat. Sie ist eine der Meisterouvertüren Suppés. Umso interessanter ist es zu erfahren, was auf dieses musikalische Schwergewicht (was nichts mit der Leichtigkeit und dem mitreißenden Brio der Musik zu tun hat!) an weiterer Musik folgt. Es ist eine Mischung aus Italianità und Wiener Sentimentalität, die wir da hören: Das macht den großen Reiz dieser Entdeckung aus!
- Franz von Suppé (1819–1895)
- Pique Dame
- Anjara Ingrid Bartz, Mojca Erdmann, Anneli Pfeffer, WDR Rundfunkchor, WDR Rundfunkorchester, Michail Jurowski
- CD (Shop)
Widor: Sinfonien für Orgel und Orchester
Charles-Marie Widor: Dieser Name ist Inbegriff für französische Orgelmusik im 19. Jahrhundert. Der bedeutende Orgelbauer Cavaillé-Coll nahm sich seiner schon als Schüler an und empfahl ihn auch auf die Stelle des Titularorganisten von St. Sulpice. Widor machte sich schnell auch einen Namen als Komponist, und seine 10 Symphonien für Orgel solo gelten auch heute noch als Non plus ultra der virtuosen französischen Schule. Dabei hat Widor immer auch für Orchester geschrieben. So gibt es zwei reine Orchestersinfonien und vier Sinfonien für Orgel und Orchester.
Christian Schmitt, der wohl profilierteste deutsche Organist der jüngeren Generation wird sich in Zukunft dem Widorschen Œuvre auf cpo schwerpunktmäßig widmen.
- Charles-Marie Widor (1844–1937)
- Symphonie op. 42 für Orgel & Orchester
- Sinfonia sacra op. 81 für Orgel & Orchester
- Christian Schmitt (Jann-Orgel Konzerthalle Bamberg), Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie, Stefan Solyom
- SACD (Shop)
Geposted von Burkhard Schmilgun (cpo) am 9.11.2009
Schlagwörter: Bach, CDs, Charles-Marie Widor, Classic, cpo, Erich Wolfgang Korngold, Franz von Suppé, Johann Mattheson, Super Audio CDs
Von Hanswurst und Colombine
Marionetten- und Puppentheater mit Musik waren und sind in Österreich immer äußerst beliebt. Noch heute gibt es in Salzburg ein Marionettenoperntheater. Zwischen 1773 und 1779 gab es auch in der Sommerresidenz des Fürsten Nikolaus Esterházy auf Esterháza (im heutigen Ungarn gelegen) eine Marionettenbühne, und zu dieser Zeit war Haydn oberster Kapellmeister am Hofe. So entstand um 1776 »Die Feuersbrunst«: Haydn verwendet nicht nur Wiener Dialekt, sondern zeigt uns eine der letzten Hanswurst-Komödien, in der alle Sympathien dem armen Burschen aus dem Volk gelten. In ihrer Volkstümlichkeit und Deftigkeit scheint dieses köstliche Singspiel für die Dienerschaft geschrieben zu sein. Haydn folgt letztlich hier dem gleichen Prinzip der Volkstümlichkeit wie nach ihm Mozart in seiner »Zauberflöte«. Eine wahre Entdeckung zum Haydn-Jahr!
- Joseph Haydn (1732–1809)
- Die Feuersbrunst (oder »Das abgebrannte Haus«) (Marionetten-Singspiel H29b:A)
- Otto Katzameier, Andreas Karasiak, Isa Katharina Gericke, Capella Augustina, Andreas Spering
- 2 CDs (Shop)
Eine Operette vom Ziehrer
Johann Strauß hielt nichts von ihm, und würde man Ziehrer als seinen Konkurrenten bezeichnet haben, wäre er gekränkt gewesen: »Talent! Das hat der gute Ziehrer nicht und so hilft alles nichts …« schrieb er über den neuen Rivalen. Doch Ziehrer mauserte sich: 1885–93 war er Chefdirigent der berühmten »Hoch- und Deutschmeister-Kapelle« und wurde hier zum Inbegriff des feschen Militärkapellmeisters und 1907 wurde er gar zu Strauß’ Nachfolger als k.&k.-Hofballmusikdirektor. Seine Stärke waren schmissige, einprägsame melodische Einfälle, das Instrumentieren und Arrangieren in den Operetten überließ er lieber Anderen. So ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der Arrangeur seiner bezaubernden Operette »Die drei Wünsche« kein Geringerer als Alexander Zemlinsky war. Wie dem auch sei: Das Musik Theater Schönbrunn mit seinem Leiter Herbert Mogg hat damit eine lohnende Ausgrabung gemacht.
- Carl Michael Ziehrer (1843–1922)
- Die drei Wünsche
- Volker Vogel, Donna Ellen, Valeriy Serkin, Anna Siminska u. a., Chor & Orchester des Musik Theaters Schönbrunn, Herbert Mogg
- 2 CDs (Shop)
Ein niederländischer Beethoven
Wilms, geboren im Bergischen Land, sein Berufsleben dann aber vollständig in Amsterdam verbringend, hat ein beachtliches Lebenswerk hinterlassen. Seine Anfangserfolge waren sehr groß: »Dieser noch junge Komponist, voll Leben, Feuer und Anmuth, wird seinen Ruf bald überall verbreitet haben.« (AMZ 1807) Seine Musik aber hatte das Pech, dass sie öffentlich bekannt wurde, als sich ein Kanon von musikalischen Werken am Vorbild der Musik Beethovens zu bilden begann. Und gegenüber Beethovens Werken hatte Wilms’ Musik keine Chance: Etwa zwei Jahrzehnte lang waren seine Werke beliebt, dann fielen sie der Vergessenheit anheim. Dass seine Musik dennoch lebensfähig und eigenständig ist, zeigt unsere Einspielung.
- Johann Wilhelm Wilms (1772–1847)
- Symphonien Nr. 1 C-Dur op. 9 & Nr. 4 c-moll op. 23; Ouvertüre D-Dur
- NDR Radiophilharmonie, Howard Griffiths
- Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
- SACD (Shop)
Norddeutsche Orgel-Entdeckungen – Vol. 7
Einem weiteren Meister ist Vol. 7 unserer Entdeckungsreise durch das norddeutsche Orgelbarock gewidmet: dem in Hamburg geborenen Johann Praetorius, der eines von sieben Kindern des Organisten Hieronymus Praetorius gewesen ist und der ab 1612 in Hamburg das Amt des Organisten und Kirchenschreibers an St. Nikolai innehatte.
Erst kürzlich wies ihm die Musikwissenschaft Orgelwerke zu, die bisher unter anderen z. T. berühmten Namen firmierten. Die Werke sind ausschließlich choralgebunden und beruhen sowohl auf gregorianischen als auch auf reformatorischen Cantus firmi. In allen Werken zeigt sich durch kontrapunktische Meisterschaft und Vielfalt der Satzstrukturen eine Qualität, die durchaus den zeitgenössischen Werken anderer entspricht.
- Johann Praetorius (1595–1660)
- Ausgewählte Orgelwerke
- Friedhelm Flamme/Orgel Peter-und-Paul-Kirche Klostergut Holthausen
- Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
- SACD (Shop)
Weitere Rosetti-Hornkonzerte
Kein Instrument war im 18. Jahrhundert so sehr eine Domäne der Böhmen wie das Horn, und es verwundert nicht, dass auch Rosetti zahlreiche Hornkonzerte komponiert hat. Nach unserer bereits veröffentlichten CD mit Doppelhornkonzerten (Shop) stellen wir jetzt neben einem weiteren Doppelhornkonzert auch zwei Solohornkonzerte Rosettis vor.
Unsere Interpreten Klaus Wallendorf und Sarah Willis zeigen erneut in ausgedehnten, technisch höchst anspruchsvollen und schnellen Passagen ihre virtuosen Fähigkeiten. Neben motivischen und dynamischen Kontrasten stehen ausdrucksvolle Kantilenen der Soloinstrumente.
- Antonio Rosetti (1750–1792)
- Hornkonzerte Murray C48 & C50; Konzert für 2 Hörner & Orchester Murray C61; Andante aus Konzert für 2 Hörner & Orchester Murray C55Q
- Klaus Wallendorf, Sarah Willis, Kurpfälzisches Kammerorchester, Johannes Moesus
- CD (Shop)
Streichquartette von Herzogenberg
Auf drei CDs wird cpo sämtliche Streichquartette vorstellen, z. T. kombiniert mit weiterer Kammermusik des zu Unrecht vergessenen Komponisten. Auf Vol. 1 veröffentlichen wir sein 5. Streichquartett op. 63, das Herzogenbergs letzter Beitrag zu dieser Gattung gewesen ist und dessen feuriges Finale mit kraftvoller, ländlich-burlesker und temperamentvoller Thematik der absolute »Highlightsatz« des Werkes ist. Der Pianist Oliver Triendl stellt dann noch mit dem Minguet Quartett Herzogenbergs Klavierquintett op. 17 vor, das Alfred Volkland gewidmet ist und über das sich Hermann Kretzschmar, Nachfolger Volklands als Dirigent des Bach-Vereins, wie folgt äußerte: »Endlich wagt es wieder einmal Einer, keinen Sonatensatz zu schreiben. Es sieht zwar fast so aus, als wäre ein zweites Thema da, eigentlich aber bleibt das Hauptthema mit seinem prononcirtesten rhythmischen Motive immer auf dem Posten«.
- Heinrich von Herzogenberg (1843–1900)
- Streichquartett op. 63 f-moll;
- Klavierquintett op. 17 C-Dur
- Oliver Triendl (Klavier), Minguet Quartett
- CD (Shop)
Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun
Geposted von Burkhard Schmilgun (cpo) am 25.6.2009
Schlagwörter: Antonio Rosetti, Carl Michael Ziehrer, CDs, Classic, cpo, Haydn, Heinrich von Herzogenberg, Johann Praetorius, Johann Wilhelm Wilms, Super Audio CDs
Andreas Spreer, der Geschäftsführer und Kopf von Tacet hat uns folgende Mitteilung geschickt und erlaubte uns, den Text in unserem Weblog zu veröffentlichen:
TACET legt bei den "neuen" Tonträgern ganz besonderen Wert auf einen guten Surround Sound (TACET Real Surround Sound und Moving Real Surround Sound). TACET hat einen festen Stamm von zufriedenen Kunden, die Surround Sound hören. Welches der drei Formate verspricht für unsere Kunden in der Zukunft am interessantesten zu werden?
SACD: In letzter Zeit kommen vermehrt SACD-Spieler auf den Markt, die nur Stereo und keine Multikanal (Surround Sound) – Aufnahmen abspielen. Viele Hersteller scheinen selber nicht an die Zukunft von SACD bei Surround Sound zu glauben. Leise Zweifel an der endgültigen Durchsetzung der SACD als bevorzugter Surround-Tonträger erscheinen angebracht angesichts hoher Herstellungskosten (zwei Layer wegen der Kompatibilität zur CD) und geringerer Verbreitung von SACD-Playern bei Surround-Hörern.
Blu-ray Disc: Sie ist weder kompatibel mit SACD noch mit DVD-Audio. Sie klingt gut, aber nicht besser als diese beiden. An Surround Sound interessierte Kunden haben dagegen immer einen DVD-Player und oft genug zusätzlich einen SACD-Spieler. Für ein neues Format müssten sie sich nicht nur einen neuen Player, sondern auch eine neue Plattensammlung zulegen. Im besten Fall wird es auf längere Sicht drei statt zwei Formate geben, die alle abspielbar sein müssen. Wenn die Blu-ray Disc neben ihrer Funktion als Film-Medium überhaupt eine Alternative zu den reinen Audioformaten werden wird.
DVD-Audio: Sie ist als Originalformat klanglich und kapazitätsmäßig optimal. Sie ist (mit geringen Qualitätseinbußen) kompatibel mit DVD-Video und damit bis auf weiteres auf jeder Surround-Anlage weltweit abspielbar.
Fazit: TACET bietet weiterhin DVD-Audio und SACD an. Aus den genannten Gründen warten wir bei Blu-ray Disc noch ab. Sollte sie sich als Medium auch im reinen Audio-Bereich weltweit durchsetzen, kann TACET jederzeit auch solche Scheiben produzieren. In der gegenwärtigen Situation erscheint uns das kontraproduktiv, weil es unsere zufriedenen Kunden verunsichert. TACET setzt ein deutliches Zeichen: beginnend mit diesem Monat erscheinen 10 neue DVD-Audios im bewährten TACET Real Surround Sound, jeden Monat eine.
Geposted von Norbert Richter am 8.5.2009
Schlagwörter: Blu-ray, DVD-Audio, Super Audio CDs, Technik
Kloses »Ilsebill«
Der Untertitel »Das Märlein von dem Fischer und seiner Frau« weist auf das bekannte Grimmsche Märchen hin. Die Oper jedoch weicht in einigen Elementen von der Märchenvorlage ab. Die Fischersfrau Ilsebill strebt stets nach Höherem und möchte schließlich sogar Gott sein, was dazu führt, dass Fischerin und Fischer zu guter Letzt nach einer Naturkatastophe – einem musikalisch reinigenden Gewitter – wieder in ihrem Baumstamm am See wohnen.
In »Ilsebill« hat die Musik die Vorherrschaft. Darauf deutet schon Kloses Bezeichnung »dramatische Symphonie« hin. Der Neuromantiker Klose wurde vor allem für seine originelle Orchestrierung und Instrumentation bewundert. Nach der Uraufführung 1903 erhielt »Ilsebill« viel Anerkennung und Lob. Wagners Einfluss ist mitunter unverkennbar, aber dennoch ist die Musik mit ihrem der Handlung entsprechenden traumhaften Charakter selbst bei den mächtigsten Natur-Kraftentfaltungen nie gewalttätig und bietet selbstständige und prägnante Wendungen und Art der Steigerungen.
- Friedrich Klose (1862–1942)
- Ilsebill
- Norbert Schmittberg, Sabine Türner, Jaroslaw Sielicki, Chöre des Theater Aachen, Aachen SO, Marcus Bosch
- 2 CDs (Shop)
Ein typisches Grenzschicksal
1819 wurde er als preußischer Bürger in einem Vorort bei Saarbrücken namens Goffontaine geboren. Zwischen Polen, Deutschland und Frankreich spielte sich denn auch sein weiteres künstlerisches Leben ab. Als Gouvy starb, wurde er in Deutschland für einen Franzosen und in Frankreich für einen Deutschen gehalten. Seltenheit dürfte auch haben, dass er sowohl Mitglied im »Institut des Beaux Arts« als auch in der »Preußischen Akademie der Künste« war: Deutsch-französische Freundschaft in personam. Jedoch ging Gouvy der in Frankreich allein gültigen Gattung der Oper konsequent aus dem Weg und komponierte vornehmlich Sinfonien. Diese wurden allerdings in Deutschland sehr geschätzt: Kein anderer ausländischer Komponist wurde in den 1850er Jahren in Leipzig so häufig gespielt wie Gouvy.
- Louis Théodore Gouvy (1819–1898)
- Symphonie Nr. 3 C-Dur op. 20; Symphonie Nr. 5 B-Dur op. 30
- Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, Jacques Mercier
- CD (Shop)
Grauns Große Passion
Neben 28 Opern hinterließ der preußische Hofkapellmeister C. H. Graun noch eine große Zahl von Kirchenmusik, von der vor allem seine erfolgreiche Passionskantate »Der Tod Jesu« eine weite Verbreitung fand und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts immer wieder aufgeführt wurde. Vorher hatte Graun aber bereits drei weitere Passionen komponiert, u. a. die in Wolfenbüttel um 1730 entstandene Passion »Kommt her und schaut«, deren Umfang von 66 Nummern ihr den Titel »Große Passion« eintrug. Dieses Werk zeigt durch eine enorme Vielfalt der Formen, Besetzungen und Satztypen sowie durch eine intensive innere Dynamik die erstaunliche Reife des damals ungefähr 25-jährigen Komponisten und rechtfertigt, »Kommt her und schaut« als ein Meisterwerk der norddeutschen Passionskantate zu bezeichnen.
- Carl Heinrich Graun (1703–1759)
- Große Passion (Graun WV B: VII: 5)
- Veronika Winter, Hilke Andersen, Markus Schäfer, Ekkehard Abele, Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max
- 2 CDs (Shop)
Weingartners Hommage an Schubert
Seine sechste Sinfonie schrieb Felix Weingartner 1928, dem Jahr also, in dem in großem Maße des 100. Todestages Franz Schuberts gedacht wurde. Schubert war für ihn immer ein Fixstern gewesen und klarer (und früher) als manch Anderer hat er die tragische Seite und Größe des oft als harmloser, idyllischer Liedsänger missverstandenen Komponisten erkannt. So schrieb er einmal vom »tragischen Antlitz« Schuberts, »im Sinne eines Kindes, das aus einer höheren Welt auf unsere Erde gefallen ist und sich hier nicht zurechtfinden, aber auch nicht klar erkennen kann, warum es sich nicht zurechtfindet.«
Weingartner schrieb eine Schubert-Würdigung in Form einer Sinfonie: »Ich sah Schubert einsam dahinschreiten und mit schmerzlichem Ausdruck auf seine geliebte Vaterstadt herniederblicken: Habe ich meinen ganzen Reichtum über euch ausgeschüttet, damit ihr mich so feiert? Und da begann es zu klingen. Zuerst wusste ich nicht, was es werden solle. Dann formte es sich allmählich, bis es eine viersätzige Symphonie wurde.«
- Felix Weingartner (1863–1942)
- Symphonie Nr. 6 op. 74 »La Tragica«; Frühling op. 80
- Sinfonieorchester Basel, Marko Letonja
- Sound: stereo und multichannel (Hybrid)
- SACD (Shop)
Telemann, Bläserkonzerte Vol. 4
Die fünf Werke der vierten Folge sämtlicher Bläserkonzerte zeigen uns Telemann auf der Höhe seiner Meisterschaft als Konzertkomponist: Alle Kompositionen bieten originelle Lösungen der Problemstellung, eine melodiegesättigte und ungezwungen fließende, dabei aber ausdrucksstarke und satztechnisch anspruchsvolle Konzertmusik zu schaffen, die sich von den italienischen Vorgaben des dreisätzigen Solokonzerts deutlich emanzipiert. Die Konzerte sind in enger zeitlicher Nachbarschaft entstanden und weisen trotz stilistischer Geschlossenheit verschiedene Stilelemente in Richtung Frankreich, Polen sowie Anlehnungen an Naturklänge und pastorale Grundstimmungen auf.
- Georg Philipp Telemann (1681–1767)
- Konzert für 2 Blockflöten, Streicher, Bc TWV 52:a2; Konzert für Traversflöte, Streicher, Bc TWV 51:D2; Konzert für Oboe d’amore, Streicher, Bc TWV 51:A2; Konzert für 2 Traversflöten, Fagott, Streicher, Bc TWV 53:h1; Oboenkonzert TWV 51:e1
- La Stagione Frankfurt, Michael Schneider
- CD (Shop)
Neues von Louise Farrenc
Kurz nach ihrer ersten Symphonie komponierte Farrenc ihr erstes Klaviertrio, das sie selbst als Pianistin zusammen mit zwei Kollegen aufführte. Wie in allen ihren Kammermusikwerken ist der Klavierpart sehr anspruchsvoll. Das Trio steckt voller Energie, Dynamik und überraschender Details. In dem dritten Klaviertrio ist die Violine durch eine Klarinette bzw. eine Flöte ersetzt, und es ist eines der wenigen Werke, die in der zeitgenössischen Fachpresse gewürdigt wurden: »Reinheit des Stils, formale Perfektion, Anmut und Eleganz«. Auch das Sextett ist enorm reich an musikalischen Einfällen, und stellt das früheste Beispiel für die Besetzung mit Klavier und Bläserquintett dar. Die Flöte vervollständigt die Bläsergruppe zum Quintett, sodass dem Klavier eine eigenständige Klanggruppe gegenübersteht.
- Louise Farrenc (1804–1875)
- Sextett op. 40 für Klavier und Bläserquintett; Klaviertrio Es-Dur op. 33 Nr. 1; Trio Es-Dur op. 44 Nr. 3 für Klavier, Klarinette, Violine
- Linos Ensemble
- CD (Shop)
Geposted von Burkhard Schmilgun (cpo) am 6.4.2009
Schlagwörter: Carl Heinrich Graun, CDs, Classic, cpo, Felix Weingartner, Franz Schubert, Friedrich Klose, Georg Philipp Telemann, Louis Théodore Gouvy, Louise Farrenc, Super Audio CDs
Bevor er exklusiver Philips-Künstler wurde, nahm Alfred Brendel in den Jahren 1955 bis 1975 für die amerikanischen Labels Turnabout, Vox und Vanguard auf. Diese frühen Einspielungen, die bisher kaum erhältlich waren, sind wertvolle Dokumente eines Jahrhundert-Künstlers am Beginn seiner großen Karriere. Bei Brilliant Classics sind nun sämtliche Aufnahmen der drei Labels in einer 35 CD starken Box erschienen, darunter alle Klavierkonzerte und -sonaten Beethovens, Mozarts bedeutende Klavierkonzerte sowie Werke von Schubert, Schumann, Schönberg, Mussorgsky, Strawinsky, Balakireff und Prokofieff. Mit € 39,99 (Shop) ist diese lohnenswerte Edition sensationell günstig.
Als erste LP des DDR-Labels Eterna erschien im Jahre 1955 Beethovens Eroica mit der Staatskapelle Dresden und Franz Konwitschny als Dirigent. Im Laufe der Jahre wuchs der Eterna-Katalog um eine Vielzahl von Aufnahmen mit künstlerisch hochrangigen Einspielungen und international bekannten Solisten, Orchestern und Dirigenten. Zwölf der interessantesten und spektakulärsten Aufnahmen aus den Jahren 1955 bis 1985 sind nun wieder als 180g-Vinyl-Pressungen zu bekommen, und zwar in der originalen LP-Optik. Die Aufnahmen wurden unter Verwendung der Originalbänder im DMM-Verfahren geschnitten – und auf exakt der Maschine, die bereits zu DDR-Zeiten Verwendung fand. Auf Seite 49 im aktuellen jpc-courier finden Sie alle Infos.
Obwohl erst das Jahr 2009 offiziell zum Händel-Jahr proklamiert wird (250. Todestag des Komponisten), sind bereits in 2008 zahlreiche Händel-CDs erschienen. Auch das Label BIS hat sich mit Händel beschäftigt und mit der Aufnahme der zwölf Concerti grossi op. 6 eine neue Referenz-Einspielung dieser Werkgruppe vorgelegt. Das polnische Ensemble »Arte dei Suonatori« unter der Leitung von Martin Gester interpretiert die Konzerte in der Tradition der historischen Aufführungspraxis. Überragend ist auch die Klangqualität dieser Veröffentlichung, dank SACD-Technologie ist den Tonmeistern eine unglaublich plastische Abbildung gelungen.
Geposted von Norbert Richter am 22.8.2008
Schlagwörter: Alfred Brendel, Classic, Franz Konwitschny, Highlights, Super Audio CDs, Vinyl
Sinfonien eines Urmusikanten
Kabalevsky gilt Vielen heute noch als komponierender Handlanger des sowjetischen Regimes. Es gibt denn auch im Westen kaum Literatur über ihn, der ja immerhin einer der wichtigsten, versiertesten und meistgespielten Komponisten Sowjetrusslands war. In der langen Zeit des kalten Krieges hatte sich eh nachhaltig das Vorurteil eingenistet, die sowjetischen Komponisten seien letztlich vor allem Propagandisten der kommunistischen Weltanschauung bolschewistischer Couleur. Hier tut Differenzierung Not! Unsere Gesamteinspielung der vier Sinfonien Kabalevskys – die Dritte »Requiem für Lenin« sogar in Ersteinspielung! – zeigt da überhaupt keinen Propagandakomponisten, sondern eine »ausdrucksvoll-romantische Musikantenseele voller Energie«, wie unser Booklet-Autor Christoph Schlüren konstatiert.
- Dimitri Kabalewsky (1904–1987)
- Sämtliche Symphonien
- NDR Chor, The Choir of Hungarian Radio, NDR Radiophilharmonie, Eiji Oue
- 2 CDs (Shop)
Nerudas galanter Stil
Nach seiner Ausbildung in Prag spielte der böhmische Komponist Neruda zuerst im dortigen Theaterorchester. 1750 wurde er Violinist, später war er bis 1772 Konzertmeister der Dresdener Hofkapelle. Die Triosonaten boten für Neruda eine Gelegenheit, seine »galanten und gefälligen Gedanken« in einer bei Liebhabern sehr verbreiteten Form zu präsentieren: Kurze Motive in allerlei Abwandlungen und Wiederholungen bilden mit dem schwungvollen Themenkopf am Anfang jeder Sonate wesentliche Erkennungsmerkmale des galanten Stils, der sich auch in dem Fagottkonzert wiederfindet.
- Johann Baptist Georg Neruda (1711–1776)
- Triosonaten Nr. 2, 4–6; Concerto C-Dur für Fagott, 2 Violinen, Viola, Bc
- Sergio Azzolini (Fagott), Parnassi musici
- CD (Shop)
Telemanns Kapitänsmusik 1724
Als reichsunmittelbare Stadt hatte Hamburg für seine Verteidigung selbst Sorge zu tragen. Seit 1619 gab es eine feste Institution für diese Verteidigung: die Bürgerwache. Die verantwortungsvollste Position kam den 57 Kapitänen zu. Den gebührenden Dank für diese bedeutungsvolle Tätigkeit entrichtete die Stadt in Form der nahezu alljährlichen Festmahle. Und natürlich einer großen, zweiteiligen Festmusik. Von den ca. 30 »Bürgerkapitänsmusiken«, die Telemann zwischen 1723 und 1767 schrieb, sind leider nur neun Werke vollständig erhalten. Die haben es aber in sich und zeigen, dass wir es hier beileibe nicht mit nebensächlichen Gelegenheits- und Auftragswerken zu tun haben, sondern mit Oratorien von höchstem Rang innerhalb Telemanns Schaffen.
- Georg Philipp Telemann (1681–1767)
- Hamburgische Kapitänsmusik 1724 TVWV 15:2
- Magdalena Podkoscielna, Andreas Post, Matthias Vieweg, Ekkehard Abele, Telemannisches Collegium Michaelstein, Ludger Rémy
- Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
- SACD (Shop)
Norddeutsche Orgel-Entdeckungen – Vol 5
Zwei eher unbekannten Meistern ist das Vol 5 unserer Entdeckungsreise durch das norddeutsche Orgelbarock gewidmet: Melchior Schildt und Peter Morhard. Die Berufsstationen Schildts sind immerhin bekannt: Wolfenbüttel, Kopenhagen (als Hoforganist König Christians IV.) und dann bis zum Lebensende Hannover. Er war zeitlebens hochgeachtet als berühmter Orgelvirtuose, der durch Ausdruckskraft und Originalität überzeugte. Zu Peter Morhard sind nur spärliche biographische Angaben vorhanden: von 1662 bis zu seinem Tod 1685 war er Organist an der Michaeliskirche Lüneburg.
- Melchior Schildt (1593–1667)
- Sämtliche Orgelwerke
- Peter Morhard (gest. 1685)
- Sämtliche Orgelwerke
- Friedhelm Flamme/Gerhard-von-Holy-Orgel Bartholomäuskirche Dornum
- Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
- SACD (Shop)
Klöcker spielt Pleyel
Pleyels umfangreiches OEuvre »schlummert« auch heute noch weitestgehend in Archiven. Dabei fand der Meisterschüler Haydns damals eine hohe Anerkennung als Instrumentalkomponist, weil er es verstand, sich international an verschiedenen Stilen zu orientieren. Seine Klarinettenkonzerte gehören zweifellos zu seinen wichtigsten Stücken. Jost Michaels ordnet das 1. Konzert sogar als das wichtigste Klarinettenkonzert vor Mozart ein. Faszinierend, wie Pleyel mit seinem schlichten Anfangsthema einen Weg durch das Konzert geht, das nach einem langsamen Satz in die virtuose Auflösung des Rondos mündet. Und auch in seinem Klarinetten-Doppelkonzert, der »Sinfonia Concertante «, zeigt sich, in welchem Maße er die ganze Palette des Instruments auszunutzen versteht.
- Ignaz Pleyel (1757–1831)
- Klarinettenkonzerte Nr. 1 & 2 / Sinfonia concertante B-Dur für 2 Klarinetten & Orchester
- Dieter Klöcker, Sandra Arnold, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim, Sebastian Tewinkel
- CD (Shop)
Goldmarks Klavierquintette
Goldmark gehört auch zu jenen Komponisten, deren einstmals strahlender Ruhm zu einem blassen Schimmer verkümmert ist. Dabei hatte Goldmark eine Riesenkarriere gemacht: Vom Sohn eines armen jüdischen Kantors in der ungarischen Provinz, zu Beginn ohne Schulunterricht, bis zum Professor für Komposition und Komponisten in Wien. In seinen Klavierquintetten zeigen sich typische »goldmarkige« Erfindungen: In dem 1879 als Opus 30 gedruckten Quintett finden sich raffinierteste Instrumentaleffekte und eine modulatorische Beweglichkeit, die ihre Wurzeln bei Franz Schubert zu haben, diesen aber noch in den Schatten zu stellen scheint. Auch in seinem späten Quintett op. 54 finden sich trotz »moderner« Anklänge seine typischen Umgehensweise mit Harmonik, verschärfter Motivik und permanenten Modulationen – ein Spätwerk, das die unverbrauchte musikalische Kraft Goldmarks hörbar macht.
- Karl Goldmark (1830–1915)
- Klavierquintette opp. 30 & 54
- Oliver Triendl (Klavier), Quatuor Sine Nomine
- CD (Shop)
Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun
Geposted von Burkhard Schmilgun (cpo) am 4.8.2008
Schlagwörter: CDs, cpo, Dimitri Kabalewsky, Georg Philipp Telemann, Ignaz Pleyel, Johann Baptist Georg Neruda, Karl Goldmark, Melchior Schildt, Peter Morhard, Super Audio CDs
