Ein Deutscher in Italien

Otto Nicolai (1810-1849) Il Templario (Oper in 3 Akten)Der Name Nicolais wird in der Öffentlichkeit noch immer mit dessen komischen Oper Die lustigen Weiber von Windsor (Shop) gleichgesetzt. Nicolai war ein Multitalent und hatte eine gänzlich atypische multikulturelle Gesinnung, die den wertkonservativen und königstreuen Ostpreußen nach Italien führte und die Vorzüge der italienischen Oper entdecken ließ, gerade als diese von der deutschen Kritik weithin als billiger Klingsang geschmäht wurde. Dabei hat er in den Jahren 1837–1841, also lange vor den Lustigen Weibern, fünf italienische Opern komponiert, von denen die dritte, Il Templario, nach damaligen Begriffen ein Welterfolg wurde. Hört man diese Musik, so will man nicht glauben, dass ein Deutscher solch eine perfekte Belcantooper schreiben konnte, die die Leidenschaft und den Verve des jungen Verdi vorwegnimmt. Zwischen die großen Namen Bellini, Donizetti, Mercadante und Verdi gehört ab jetzt auch Nicolai!

  • Otto Nicolai (1810–1849)
  • Il Templario (Oper in 3 Akten)
  • Hans Christoph Begemann, Tiina Penttinen, Stanley Jackson, Chor der Oper Chemnitz, Robert-Schumann-Philharmonie, Frank Beermann
  • 2 CDs (Shop)

Ein Holländer in Norwegen

Röntgen vollendete seine achte Symphonie 1930, im selben Jahr, als auch seine Biographie über Grieg erschien. In diesem Buch erinnert sich Röntgen der verschiedenen Reisen nach Jotunheim, das er mit Grieg dreimal besuchte. Und so erinnert in dieser Symphonie der elementare Orchesterklang mit den rauhen Bläsern auch mitunter an Griegs Orchesterwerke. Erwähnenswert ist, dass er im zweiten Teil der Symphonie eine Art »Lockruf« einer unbegleiteten Sopranstimme einsetzt, die mit den Strophen der choralartigen Melodie »Ich gehe in tausend Gedanken« alterniert. Die fünfzehnte Symphonie von 1931 schließlich ist ein Musterbeispiel für das Können ihres Verfassers, der sich dieses Mal der Pastellfarben enthielt, um statt dessen das Orchester in seiner ganzen Pracht und mit kräftigen Pinselstrichen einzusetzen.

  • Julius Röntgen (1855–1932)
  • Symphonien Nr. 8 & 15
  • Variationen über eine Norwegische Volksweise
  • Carmen Fuggiss, NDR Radiophilharmonie, David Porcelijn
  • CD (Shop)

Ein Deutscher in Schweden

Der im selben Jahr wie Mozart geborene Kraus war auch ein frühzeitig Hochbegabter. Aber erst in den letzten Jahren hat die vielseitige Künstlerpersönlichkeit Kraus wieder etwas mehr Aufmerksamkeit erfahren. In Miltenberg am Main geboren, führte ihn seine Karriere bis nach Stockholm ins Hofkapellmeisteramt. Seine Kirchenmusikwerke ragen in origineller Weise aus der Masse des liturgischen Repertoires heraus. Vor allem die Vielfalt der Klangfarben war dem Komponisten ein besonderes Anliegen. Beim Miserere etwa versteht er geschickt, die epische Versfolge in eine Dramaturgie einzukleiden, die durch den Wechsel der Besetzungen und Kompositionsarten belebt ist. Auch im Requiem zeigt sich ein sehr individueller Ausdruckswille. Der berührenden Wirkung seiner Werke kann man sich auch heute nicht entziehen.

  • Josef Martin Kraus (1756–1792)
  • Requiem, Miserere, Stella coeli (für Soli, Chor & Orchester)
  • Annemei Blessing-Leyhausen, Paul Gerhard Adam, Carmen Schüller, Julian Pregardien, Ekkehard Abele, Deutscher Kammerchor, La Stagione Frankfurt, Michael Schneider
  • CD (Shop)

Ein Deutscher in England

Das einzige Violinkonzert des Beethoven-Schülers Ries ist eines der wenigen größeren Orchesterwerke des Komponisten, das nicht zu seinen Lebzeiten im Druck erschien. Außer Ort und Jahr (Bonn 1810) ist nichts über die Umstände der Entstehung bekannt. Das Werk erinnert in Ausdehnung und Faktur nicht so sehr an das Beethoven-Konzert, sondern eher an die Tradition der französischen Violinkonzertliteratur à la Rodolphe Kreutzer und Pierre Rode, zeichnet sich aber dennoch durch eine eigene dramaturgische Konzeption aus. Noch einfallsreicher im Detail zeigt sich Ries mit vielen harmonischen Verwirrspielen allerdings bei seinem konzertanten Unikum von 1811 – seinem Konzert für zwei Waldhörnern und Orchester.

  • Ferdinand Ries (1784–1838)
  • Violinkonzert op. 24
  • Konzert für 2 Hörner & Orchester WoO. 19
  • Anton Steck, Teunis van der Zwart, Erwin Wieringa, Die Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
  • CD (Shop)

Ein Italiener in Spanien

Vor 10 Jahren veröffentlichten wir die Box mit 28 Boccherini-Symphonien und haben damit dem zweiten großen Sinfoniker neben Joseph Haydn zu seinem diskographischen Recht verholfen. Jetzt endlich können wir auch noch zwei seiner Cellokonzerte nebst der noch fehlenden Symphonie G 521 sowie dem Oktett G 470 hörbar machen. Die Cellokonzerte weisen eine gelungene Verbindung von italienischer Kantabilität mit höchster virtuoser Violoncello-Spieltechnik auf. Werke voll Charme und Esprit, mitreißend ist vor allem der an Mozart erinnernde Schlusssatz des Konzertes G 479, ein Allegro assai im Dreiertakt. Boccherinis kurze Sinfonie G 521 ist eher eine dreiteilige Ouvertüre oder Opernsinfonie – eine klare und ausgeglichene Komposition sowohl hinsichtlich des melodischen Gehalts wie hinsichtlich des Orchestersatzes.

  • Luigi Boccherini (1743–1805)
  • Cellokonzerte G. 477 & G. 479
  • Symphonie G. 521
  • Oktett op. 38 G. 470
  • Johannes Goritzki (Cello & Dirigent), Stuttgarter Kammerorchester
  • CD (Shop)

Expressive Trios der Gebrüder Graun

Zu Lebzeiten gehörten die Gebrüder Graun als »feurige Instrumentalcomponisten« zu den berühmtesten, weit über Berlin und Potsdam hinaus bekannten Musikern. Auf dem Gebiet der Kammermusik war es die Gattung der »Triosonate«, der die Grauns ihr besonderes Interesse angedeihen ließen. Hier sind sie ganz in ihrem Element: die Violinparts voller technisch-virtuoser Finessen und rhythmisch zündender Formulierungen. Wir haben nun fünf dieser in Dresden aufbewahrten Meisterwerke mit Mitgliedern von Les Amis de Philippe eingespielt. Aufgrund der kurzen Hinweise »del Sig.re Graun« oder »di Graun« sind die Werke leider nicht immer eindeutig dem einen oder anderen zuzuordnen.

  • Johann Gottlieb Graun (1702/03–1771)
  • Carl Heinrich Graun (1703/04–1759)
  • Trios für 2 Violinen & Bc
  • Les Amis de Philippe
  • CD (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun

Lehárs polnisches Meisterwerk

Produktabbildung Franz Lehar: Die blaue MazurEin ganz wichtiges Element in den Operetten Lehárs ist das Lokalkolorit. »Je nach Stimmung greife ich zum chinesischen … je nach Laune zum polnischen Libretto … Es wird viel amüsanter, wenn man nicht fortgesetzt an einem Werk arbeitet«, gestand er anlässlich seines 50. Geburtstages 1920 einer Zeitung. Er arbeitete zu dieser Zeit gerade an der »Gelben Jacke« dem Vorläufer des »Land des Lächelns« und an seiner »Blauen Mazur«. Letztere wurde bei der Uraufführung zu einem umjubelten Erfolg. Musikalisch ist sie eines seiner größten Meisterwerke.

Es ist die gelungene Stilmischung der Musik, die alles in der Schwebe hält, und auch in dramatischen Momenten ihre Leichtigkeit nicht verliert. Nicht nur die schmissigen Buffonummern, Tanzwalzer und die Titel Mazur(ka) belegen es, sondern auch alle drei groß angelegten Finali. Ein wahres Juwel!

  • Franz Lehár (1870–1948)
  • Die blaue Mazur
  • Johanna Stojkovich, Julia Bauer, Johan Weigel, Jan Kobow, Hans Christoph Begemann, Kammerchor der Singakademie Frankfurt, Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt, Frank Beermann
  • 2 CDs 3027327

… und immer wieder Pfitzner

Produktabbildung Hans Pfitzner: Klavierquintett op. 23Hans Pfitzner gehört zu den wichtigen, fast könnte man sagen Gründungskomponisten von cpo. Gut – an ihm scheiden sich die Geister, allerdings mehr an seiner historischen Gesamterscheinung als homo politicus und als Künstler. Als ersterer war er eine ziemliche Katastrophe, als letzterer ein originärer Meister ersten Ranges! Sein kammermusikalisches Hauptwerk, das Klavierquintett op. 23 fehlte bisher im cpo-Katalog – einfach, weil sich noch keine passende Interpretation gefunden hatte. Als darum Ulf Hoelscher den Wunsche äußerte, mit seinem Ensemble das expressionistische Quintett und das späte, abgeklärt heitere Sextett aufzunehmen, war die Entscheidung schnell gefallen. Freuen Sie sich auf eine exemplarische, stilbildende Aufnahme.

  • Hans Pfitzner (1869–1949)
  • Klavierquintett op. 23 C-Dur; Sextett op. 55 g-moll für Klarinette, Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Klavier
  • Ensemble Ulf Hoelscher
  • CD 8581618

Ein ungewöhnlicher Telemann-Zyklus

Produktabbildung Georg Philipp Telemann: Triosonaten Trietti metodichi e Scherzi1731 brachte Telemann einen ungewöhnlichen Zyklus auf den Markt: »III Trietti metodichi e III Scherzi à 2 Flauti traversieri overo 2 Violini con Fondamento«. »Trietti« (kleine Trios) und Scherzi als mehrsätzige Kompositionen hatte es bis dahin nicht gegeben. Telemann befriedigte damit die Nachfrage nach »humorvollen« Scherzi und nach nicht allzu schweren Trios und darüber hinaus die Nachfrage nach praktischem Anschauungsmaterial für die »Methode« zu verzieren. Die durchweg dreisätzigen Stücke sind galant-gefällig, tänzerisch schwungvoll und das Verschmelzen der beiden Geigen in »Kürzestmotiven« trägt zum scherzhaften Charakter des Ganzen nicht unerheblich bei.

  • Georg Philipp Telemann (1681–1767)
  • Triosonaten »Trietti metodichi e Scherzi«; Quartett TWV 43:a1 für 2 Violinen, 2 Fagotte, Bc; Quartett TWV 43:d3 für Flöte, Violine, Fagott, Bc
  • Parnassi musici
  • CD 6350475

Vielseitig-Symphonisches von Röntgen

Produktabbildung Julius Röntgen: Symphonie Nr. 18Von seinen ca. 20 Symphonien gehört die 18. Symphonie mit zu den längsten, klassischen, aber auch vielseitigsten Werken, die traditionell in vier Sätzen geschrieben ist. Festliche Barockanklänge mit »Pauken und Trompeten« a la Bach erklingen neben langen, ausgesponnenen Melodien nach bester Mendelssohn-Tradition. Und auch die anderen Werke zeigen Röntgen erneut als einfallsreichsten und fruchtbarsten Komponisten Hollands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sei es das »Liedje van de zee« oder die Ballade über ein norwegisches Volkslied, in dem seine Liebe zum Meer sowie seine konzentrierte Erinnerung an eine eindrucksvolle Norwegen-Reise hörbar werden.

  • Julius Röntgen (1855–1932)
  • Symphonie Nr. 18; Ballade über eine norwegische Volksmelodie; Een liedje van de zee op. 45; Zes Oud-Nederlandsche Dansen op. 46
  • NDR Radiophilharmonie, David Porecelijn
  • CD 5662300

Norddeutsche Orgel-Entdeckungen – Vol. 6

Franz Tunder: Sämtliche OrgelwerkeZwei weiteren Meistern ist Vol. 6 unserer Entdeckungsreise durch das norddeutsche Orgelbarock gewidmet: zum einen dem als Vorgänger Buxtehudes als städtischer Organist zu Lübeck bekannteren Franz Tunder, zum anderen Nicolaus Hasse, von dem kaum Daten überliefert sind. Wahrscheinlich Schüler von J. Praetorius, J. P. Sweelinck und H. Scheidemann war Hasse seit Ende der 1620er Jahre Organist an St. Marien in Stendal sowie später an der Rostocker Marienkirche.

Seine vier Orgelwerke brillieren u. a. durch Echo-Effekte und virtuose Koloraturen und vor allem seine Choralfantasie »Komm, heiliger Geist, Herr Gott« steht sowohl die Qualität als auch die Ausdehnung betreffend in der Nähe der großen Fantasien Franz Tunders.

  • Franz Tunder (1614–1667)
  • Nicolaus Hasse (ca. 1605–1670)
  • Sämtliche Orgelwerke
  • Friedhelm Flamme/Christian-Vater-Orgel St. Petri Melle
  • Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
  • 2 SACDs 3512524

Bruchs Liebe zum Lied in der Symphonik

Produktabbildung Max Bruch: Schwedische Tänze op. 63 (Orchestersuiten Nr. 1 & 2)Obwohl Max Bruch ein lebhaftes Interesse für die Vokalmusik – insbesondere für das Volkslied – hegte, sind seine bedeutendsten Werke eher auf dem Gebiet der Instrumentalmusik zu finden. Aber die hier eingespielten symphonischen Werke zeugen auch eindeutig für seine »Liebe zum Liede«. In ihnen spiegelt sich zumindest eine der Faktoren, die für Bruch die kompositorische Inspiration liefern sollten: »Erstens ein schönes Bild, zweitens eine schöne Lanschaft, drittens ein schönes Weib«. Ob es die Serenade nach schwedischen Volksmelodien, die fantasievollen und farbigen Orchestersuiten aus den schwedischen Tänze oder die Suite nach russischen Volksmelodien sind – immer zeichnet er zauberhafte und romantische musikalische Landschaften.

  • Max Bruch (1838–1920)
  • Schwedische Tänze op. 63 (Orchestersuiten Nr. 1 & 2); Suite op. 79b nach russischen Volksmelodien; Serenade für Streichorchester op. posth. nach schwedischen Melodien
  • SWR RO Kaiserslautern, Werner Andreas Albert
  • CD 5976188

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun.