Johann Strauss – wiederentdeckt

»Der neuen Partitur lässt sich viel Gutes nachrühmen. Sie waltet nicht bloß so freigebig mit anmuthigen Melodien, sie schmiegt sich auch mit lobenswerther Treue und Feinheit dem Worte und der Situation an. Und wie schön klingt sein Orchester!« So stand es 1880 in der Wiener Presse nach der Uraufführung von Johann Strauss’ siebter Operette »Das Spitzentuch der Königin«. Durch den Walzer »Rosen aus dem Süden« sind die Melodien dieses fast vergessenen Werkes auch uns noch geläufig. Dabei ist es ein Meisterwerk und hat durchaus eine Renaissance verdient. Wie auch andere Operetten des Walzerkönigs neben der Fledermaus.

In Wien entsteht gerade die »Neue Johann Strauss Gesamtausgabe« mit vorbildlichen kritischen Editionen, die Staatsoperette Dresden produziert ausgewählte Werke daraus auf der Bühne, und cpo nimmt das Ganze für CD auf: Freuen Sie sich schon auf den »Carneval in Rom« und »Prinz Methusalem«.

  • Johann Strauss II (1825–1899)
  • Das Spitzentuch der Königin
  • Stefanoff, Glatte, Kottmair, Simon, Liske, Brachmann, Gnauck, Chor und Orchester der Staatsoperette Dresden, Ernst Theis
  • 2 CDs (Shop)

Korstick spielt Reger und Busoni

»Das Werk ist sehr schwer … Es ist sozusagen eine Art Brahms d-moll Konzert ins Moderne übertragen«, schrieb Reger. Und genau wie das Brahms Konzert erlebte Regers Opus ein Fiasko: »eine neue Fehlgeburt der in Inzucht verkommenen Reger-Muse, nur im ersten Satz halbwegs erfunden, im übrigen schematisch er-Regert« – das ist so boshaft wie sprachlich gewitzt. Für den Komponisten war es allerdings eine herbe Enttäuschung: »Die Tonsprache ist zu herb und ernst, da muss sich das Publikum erst daran gewöhnen«. Leider hat sich das Publikum bis heute nicht daran gewöhnt, vielleicht aber auch, weil es ihm so gut wie nie angeboten wird: Pianisten machen einen weiten Bogen um das als »Schinken« verrufene Konzert. Diese Werk-Malaise muss einen Pianisten wie Michael Korstick herausfordern und mit intellektueller Grazie stellt er sich dem Feind – und gewinnt. Absolut aufregend!

  • Max Reger (1873–1916)
  • Klavierkonzert op. 114
  • Bach/Busoni
  • Klavierkonzert nach BWV 1052
  • Michael Korstick, RO München, Ulf Schirmer
  • CD (Shop)

Ein Erbe Carl Nielsens

Simonsen war zu Lebzeiten eine der bekanntesten Persönlichkeiten des dänischen Musiklebens – und das nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist, Lehrer, Administrator, Dozent und Autor. Er gehörte zu der Generation nach Carl Nielsen, die unter vollen Segeln fahren konnte, weil ihr Nielsen den Weg gewiesen hatte. Simonsen war ein außerordentlicher Idealist und von seltenster humanistischer Bildung: So beherrschte er fließend Griechisch, Lateinisch und Hebräisch. Er entstammte der jüdischen Mittelschicht Kopenhagens, und wenn er auch vom orthodoxen Judentum weit entfernt war, so fühlte er sich doch in kultureller Hinsicht mit der jüdischen Geschichte verbunden.

Seiner ersten Sinfonie, die übrigens 1920 von Carl Nielsen in Göteborg uraufgeführt wurde, gab er denn auch den programmatischen Titel »Zion«. Zum ersten Mal hat hier ein jüdischer Komponist in Dänemark ein Werk geschrieben, das sich ganz direkt mit der jüdischen Kultur auseinandersetzt.

  • Rudolph Simonsen (1889–1947)
  • Symphonien Nr. 1 & 2; Ouvertüre g-moll
  • Sønderjyllands SO, Israel Yinon
  • CD (Shop)

Fescas Flötenquartette

Selber ein exquisit ausgebildeter Geiger, wundert es nicht, dass vor allem seine meisterlich gearbeiteten Streichquartette früh den guten Ruf von Fesca als Komponist festigten. Aber die Qualität und das Originelle der Streichquartette findet sich durchaus auch in seinen Flötenquartetten wieder. Die viersätzigen Werke sind von großer formaler und konzeptioneller Einheitlichkeit. Die Schönheit liegt nicht in hervorstechenden Einzelheiten oder einprägsamen Melodien. Fescas Personalstil offenbart vielmehr kleine Abweichungen von der Norm vorgegebener Strukturen, vereint mit einem feinen Sinn für die Integrationsfähigkeit des klassischen vierstimmigen Satzes. Drei von den vier Quartetten werden hier frisch und mitreißend interpretiert von dem Linos Ensemble, von dem wir auf cpo bereits die wunderbaren Einspielungen der Septette von Alexander Fesca, dem Sohn von Friedrich Ernst Fesca, kennen.

  • Friedrich Ernst Fesca (1685–1759)
  • Flötenquartette op. 37, 38, 40
  • Linos Ensemble
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Selles Auferstehungshistorie

Unter dem Titel Opera omnia hinterließ der aus Sachsen stammende Selle der Stadt Hamburg mit seinem gesamten musikalischen Nachlass handschriftliche Abschriften von den meisten seiner geistlichen Werke, die auch in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg aufbewahrt werden. Selle, der seine Ausbildung in Leipzig absolvierte, war ab 1641 u. a. Musikdirektor der vier Hauptkirchen Hamburgs und schuf für die Feste des Kirchenjahres eine bedeutende Reihe von musikalischen Historien sowie Vertonungen des Passionsberichtes im Johannesevangelium. Bei den hier eingespielten geistlichen Werken für Ostern wird deutlich erkennbar, das für Selle die klangfarbliche Facette ein ähnlich großes Gewicht wie deren melodische harmonische oder kontrapunktische Gestaltung hatte. Bei der Auferstehungshistorie setzt Selle auf eine affektbetonte Textausdeutung, was sein Interesse an einer moderneren, dramatischen Gestaltungsweise erkennen lässt.

  • Thomas Selle (1599–1663)
  • Historia der Auferstehung; Geistliche Konzerte & Motetten zum Osterfest
  • Weser-Renaissance, Manfred Cordes
  • CD (Shop)

Mendelssohns »Israel in Ägypten«

Mit kaum einem anderen Werk des 18. Jahrhunderts hat Mendelssohn sich während seiner Dirigentenkarriere so häufig auseinandergesetzt wie mit Händels Oratorium »Israel in Egpyten«. Als großer Verehrer Händels brachte er dann das Werk beim Niederrheinischen Musikfest am 26. Mai 1833 in Düsseldorf erfolgreich wieder zur Aufführung – und weitere sollten folgen. Die Partitur des Werkes hatte Mendelssohn in London entdeckt und seine kritische Überprüfung der verfügbaren Editionen anhand dieser Originalquellen zeichnete seine Aufführung aus. So fand bei der Düsseldorfer-Aufführung erstmals das Etikett »nach der Originalpartitur« Verwendung. Zusätzlich fand man mit Hilfe des Londoner Dirigenten George Smart ein altes Textbuch, das – so Mendelssohn – »unter Händel gebraucht worden«. Die durchweg positiven Zeitungskritiken zu den Aufführungen Mendelssohns lobten vor allem »die deutliche Aussprache, auf welche so selten Rücksicht genommen wird«.

  • Georg Friedrich Händel (1685–1759)
  • Israel in Ägypten (Fassung von Mendelssohn 1833, gesungen in deutscher Sprache)
  • Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max
  • 2 CDs (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun