Lehárs polnisches Meisterwerk
Ein ganz wichtiges Element in den Operetten Lehárs ist das Lokalkolorit. »Je nach Stimmung greife ich zum chinesischen … je nach Laune zum polnischen Libretto … Es wird viel amüsanter, wenn man nicht fortgesetzt an einem Werk arbeitet«, gestand er anlässlich seines 50. Geburtstages 1920 einer Zeitung. Er arbeitete zu dieser Zeit gerade an der »Gelben Jacke« dem Vorläufer des »Land des Lächelns« und an seiner »Blauen Mazur«. Letztere wurde bei der Uraufführung zu einem umjubelten Erfolg. Musikalisch ist sie eines seiner größten Meisterwerke.
Es ist die gelungene Stilmischung der Musik, die alles in der Schwebe hält, und auch in dramatischen Momenten ihre Leichtigkeit nicht verliert. Nicht nur die schmissigen Buffonummern, Tanzwalzer und die Titel Mazur(ka) belegen es, sondern auch alle drei groß angelegten Finali. Ein wahres Juwel!
- Franz Lehár (1870–1948)
- Die blaue Mazur
- Johanna Stojkovich, Julia Bauer, Johan Weigel, Jan Kobow, Hans Christoph Begemann, Kammerchor der Singakademie Frankfurt, Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt, Frank Beermann
- 2 CDs 3027327
… und immer wieder Pfitzner
Hans Pfitzner gehört zu den wichtigen, fast könnte man sagen Gründungskomponisten von cpo. Gut – an ihm scheiden sich die Geister, allerdings mehr an seiner historischen Gesamterscheinung als homo politicus und als Künstler. Als ersterer war er eine ziemliche Katastrophe, als letzterer ein originärer Meister ersten Ranges! Sein kammermusikalisches Hauptwerk, das Klavierquintett op. 23 fehlte bisher im cpo-Katalog – einfach, weil sich noch keine passende Interpretation gefunden hatte. Als darum Ulf Hoelscher den Wunsche äußerte, mit seinem Ensemble das expressionistische Quintett und das späte, abgeklärt heitere Sextett aufzunehmen, war die Entscheidung schnell gefallen. Freuen Sie sich auf eine exemplarische, stilbildende Aufnahme.
- Hans Pfitzner (1869–1949)
- Klavierquintett op. 23 C-Dur; Sextett op. 55 g-moll für Klarinette, Violine, Viola, Cello, Kontrabass, Klavier
- Ensemble Ulf Hoelscher
- CD 8581618
Ein ungewöhnlicher Telemann-Zyklus
1731 brachte Telemann einen ungewöhnlichen Zyklus auf den Markt: »III Trietti metodichi e III Scherzi à 2 Flauti traversieri overo 2 Violini con Fondamento«. »Trietti« (kleine Trios) und Scherzi als mehrsätzige Kompositionen hatte es bis dahin nicht gegeben. Telemann befriedigte damit die Nachfrage nach »humorvollen« Scherzi und nach nicht allzu schweren Trios und darüber hinaus die Nachfrage nach praktischem Anschauungsmaterial für die »Methode« zu verzieren. Die durchweg dreisätzigen Stücke sind galant-gefällig, tänzerisch schwungvoll und das Verschmelzen der beiden Geigen in »Kürzestmotiven« trägt zum scherzhaften Charakter des Ganzen nicht unerheblich bei.
- Georg Philipp Telemann (1681–1767)
- Triosonaten »Trietti metodichi e Scherzi«; Quartett TWV 43:a1 für 2 Violinen, 2 Fagotte, Bc; Quartett TWV 43:d3 für Flöte, Violine, Fagott, Bc
- Parnassi musici
- CD 6350475
Vielseitig-Symphonisches von Röntgen
Von seinen ca. 20 Symphonien gehört die 18. Symphonie mit zu den längsten, klassischen, aber auch vielseitigsten Werken, die traditionell in vier Sätzen geschrieben ist. Festliche Barockanklänge mit »Pauken und Trompeten« a la Bach erklingen neben langen, ausgesponnenen Melodien nach bester Mendelssohn-Tradition. Und auch die anderen Werke zeigen Röntgen erneut als einfallsreichsten und fruchtbarsten Komponisten Hollands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sei es das »Liedje van de zee« oder die Ballade über ein norwegisches Volkslied, in dem seine Liebe zum Meer sowie seine konzentrierte Erinnerung an eine eindrucksvolle Norwegen-Reise hörbar werden.
- Julius Röntgen (1855–1932)
- Symphonie Nr. 18; Ballade über eine norwegische Volksmelodie; Een liedje van de zee op. 45; Zes Oud-Nederlandsche Dansen op. 46
- NDR Radiophilharmonie, David Porecelijn
- CD 5662300
Norddeutsche Orgel-Entdeckungen – Vol. 6
Zwei weiteren Meistern ist Vol. 6 unserer Entdeckungsreise durch das norddeutsche Orgelbarock gewidmet: zum einen dem als Vorgänger Buxtehudes als städtischer Organist zu Lübeck bekannteren Franz Tunder, zum anderen Nicolaus Hasse, von dem kaum Daten überliefert sind. Wahrscheinlich Schüler von J. Praetorius, J. P. Sweelinck und H. Scheidemann war Hasse seit Ende der 1620er Jahre Organist an St. Marien in Stendal sowie später an der Rostocker Marienkirche.
Seine vier Orgelwerke brillieren u. a. durch Echo-Effekte und virtuose Koloraturen und vor allem seine Choralfantasie »Komm, heiliger Geist, Herr Gott« steht sowohl die Qualität als auch die Ausdehnung betreffend in der Nähe der großen Fantasien Franz Tunders.
- Franz Tunder (1614–1667)
- Nicolaus Hasse (ca. 1605–1670)
- Sämtliche Orgelwerke
- Friedhelm Flamme/Christian-Vater-Orgel St. Petri Melle
- Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
- 2 SACDs 3512524
Bruchs Liebe zum Lied in der Symphonik
Obwohl Max Bruch ein lebhaftes Interesse für die Vokalmusik – insbesondere für das Volkslied – hegte, sind seine bedeutendsten Werke eher auf dem Gebiet der Instrumentalmusik zu finden. Aber die hier eingespielten symphonischen Werke zeugen auch eindeutig für seine »Liebe zum Liede«. In ihnen spiegelt sich zumindest eine der Faktoren, die für Bruch die kompositorische Inspiration liefern sollten: »Erstens ein schönes Bild, zweitens eine schöne Lanschaft, drittens ein schönes Weib«. Ob es die Serenade nach schwedischen Volksmelodien, die fantasievollen und farbigen Orchestersuiten aus den schwedischen Tänze oder die Suite nach russischen Volksmelodien sind – immer zeichnet er zauberhafte und romantische musikalische Landschaften.
- Max Bruch (1838–1920)
- Schwedische Tänze op. 63 (Orchestersuiten Nr. 1 & 2); Suite op. 79b nach russischen Volksmelodien; Serenade für Streichorchester op. posth. nach schwedischen Melodien
- SWR RO Kaiserslautern, Werner Andreas Albert
- CD 5976188
Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun.
Geposted von Burkhard Schmilgun (cpo) am 16.12.2008
Schlagwörter: CDs, cpo, Franz Lehár, Franz Tunder, Georg Philipp Telemann, Hans Pfitzner, Julius Röntgen, Max Bruch, Nicolaus Hasse
