Gestern wurde auf WDR 3 in der Sendung TonArt das im Juli auf cpo erschienene Album von Ferdinand Ries rezensiert. Die CD (Shop) enthält unter anderem das Violinkonzert op. 24. Die Rezension finden Sie auf der Seite zur Sendung in voller Länge.

Ein Deutscher in Italien

Otto Nicolai (1810-1849) Il Templario (Oper in 3 Akten)Der Name Nicolais wird in der Öffentlichkeit noch immer mit dessen komischen Oper Die lustigen Weiber von Windsor (Shop) gleichgesetzt. Nicolai war ein Multitalent und hatte eine gänzlich atypische multikulturelle Gesinnung, die den wertkonservativen und königstreuen Ostpreußen nach Italien führte und die Vorzüge der italienischen Oper entdecken ließ, gerade als diese von der deutschen Kritik weithin als billiger Klingsang geschmäht wurde. Dabei hat er in den Jahren 1837–1841, also lange vor den Lustigen Weibern, fünf italienische Opern komponiert, von denen die dritte, Il Templario, nach damaligen Begriffen ein Welterfolg wurde. Hört man diese Musik, so will man nicht glauben, dass ein Deutscher solch eine perfekte Belcantooper schreiben konnte, die die Leidenschaft und den Verve des jungen Verdi vorwegnimmt. Zwischen die großen Namen Bellini, Donizetti, Mercadante und Verdi gehört ab jetzt auch Nicolai!

  • Otto Nicolai (1810–1849)
  • Il Templario (Oper in 3 Akten)
  • Hans Christoph Begemann, Tiina Penttinen, Stanley Jackson, Chor der Oper Chemnitz, Robert-Schumann-Philharmonie, Frank Beermann
  • 2 CDs (Shop)

Ein Holländer in Norwegen

Röntgen vollendete seine achte Symphonie 1930, im selben Jahr, als auch seine Biographie über Grieg erschien. In diesem Buch erinnert sich Röntgen der verschiedenen Reisen nach Jotunheim, das er mit Grieg dreimal besuchte. Und so erinnert in dieser Symphonie der elementare Orchesterklang mit den rauhen Bläsern auch mitunter an Griegs Orchesterwerke. Erwähnenswert ist, dass er im zweiten Teil der Symphonie eine Art »Lockruf« einer unbegleiteten Sopranstimme einsetzt, die mit den Strophen der choralartigen Melodie »Ich gehe in tausend Gedanken« alterniert. Die fünfzehnte Symphonie von 1931 schließlich ist ein Musterbeispiel für das Können ihres Verfassers, der sich dieses Mal der Pastellfarben enthielt, um statt dessen das Orchester in seiner ganzen Pracht und mit kräftigen Pinselstrichen einzusetzen.

  • Julius Röntgen (1855–1932)
  • Symphonien Nr. 8 & 15
  • Variationen über eine Norwegische Volksweise
  • Carmen Fuggiss, NDR Radiophilharmonie, David Porcelijn
  • CD (Shop)

Ein Deutscher in Schweden

Der im selben Jahr wie Mozart geborene Kraus war auch ein frühzeitig Hochbegabter. Aber erst in den letzten Jahren hat die vielseitige Künstlerpersönlichkeit Kraus wieder etwas mehr Aufmerksamkeit erfahren. In Miltenberg am Main geboren, führte ihn seine Karriere bis nach Stockholm ins Hofkapellmeisteramt. Seine Kirchenmusikwerke ragen in origineller Weise aus der Masse des liturgischen Repertoires heraus. Vor allem die Vielfalt der Klangfarben war dem Komponisten ein besonderes Anliegen. Beim Miserere etwa versteht er geschickt, die epische Versfolge in eine Dramaturgie einzukleiden, die durch den Wechsel der Besetzungen und Kompositionsarten belebt ist. Auch im Requiem zeigt sich ein sehr individueller Ausdruckswille. Der berührenden Wirkung seiner Werke kann man sich auch heute nicht entziehen.

  • Josef Martin Kraus (1756–1792)
  • Requiem, Miserere, Stella coeli (für Soli, Chor & Orchester)
  • Annemei Blessing-Leyhausen, Paul Gerhard Adam, Carmen Schüller, Julian Pregardien, Ekkehard Abele, Deutscher Kammerchor, La Stagione Frankfurt, Michael Schneider
  • CD (Shop)

Ein Deutscher in England

Das einzige Violinkonzert des Beethoven-Schülers Ries ist eines der wenigen größeren Orchesterwerke des Komponisten, das nicht zu seinen Lebzeiten im Druck erschien. Außer Ort und Jahr (Bonn 1810) ist nichts über die Umstände der Entstehung bekannt. Das Werk erinnert in Ausdehnung und Faktur nicht so sehr an das Beethoven-Konzert, sondern eher an die Tradition der französischen Violinkonzertliteratur à la Rodolphe Kreutzer und Pierre Rode, zeichnet sich aber dennoch durch eine eigene dramaturgische Konzeption aus. Noch einfallsreicher im Detail zeigt sich Ries mit vielen harmonischen Verwirrspielen allerdings bei seinem konzertanten Unikum von 1811 – seinem Konzert für zwei Waldhörnern und Orchester.

  • Ferdinand Ries (1784–1838)
  • Violinkonzert op. 24
  • Konzert für 2 Hörner & Orchester WoO. 19
  • Anton Steck, Teunis van der Zwart, Erwin Wieringa, Die Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
  • CD (Shop)

Ein Italiener in Spanien

Vor 10 Jahren veröffentlichten wir die Box mit 28 Boccherini-Symphonien und haben damit dem zweiten großen Sinfoniker neben Joseph Haydn zu seinem diskographischen Recht verholfen. Jetzt endlich können wir auch noch zwei seiner Cellokonzerte nebst der noch fehlenden Symphonie G 521 sowie dem Oktett G 470 hörbar machen. Die Cellokonzerte weisen eine gelungene Verbindung von italienischer Kantabilität mit höchster virtuoser Violoncello-Spieltechnik auf. Werke voll Charme und Esprit, mitreißend ist vor allem der an Mozart erinnernde Schlusssatz des Konzertes G 479, ein Allegro assai im Dreiertakt. Boccherinis kurze Sinfonie G 521 ist eher eine dreiteilige Ouvertüre oder Opernsinfonie – eine klare und ausgeglichene Komposition sowohl hinsichtlich des melodischen Gehalts wie hinsichtlich des Orchestersatzes.

  • Luigi Boccherini (1743–1805)
  • Cellokonzerte G. 477 & G. 479
  • Symphonie G. 521
  • Oktett op. 38 G. 470
  • Johannes Goritzki (Cello & Dirigent), Stuttgarter Kammerorchester
  • CD (Shop)

Expressive Trios der Gebrüder Graun

Zu Lebzeiten gehörten die Gebrüder Graun als »feurige Instrumentalcomponisten« zu den berühmtesten, weit über Berlin und Potsdam hinaus bekannten Musikern. Auf dem Gebiet der Kammermusik war es die Gattung der »Triosonate«, der die Grauns ihr besonderes Interesse angedeihen ließen. Hier sind sie ganz in ihrem Element: die Violinparts voller technisch-virtuoser Finessen und rhythmisch zündender Formulierungen. Wir haben nun fünf dieser in Dresden aufbewahrten Meisterwerke mit Mitgliedern von Les Amis de Philippe eingespielt. Aufgrund der kurzen Hinweise »del Sig.re Graun« oder »di Graun« sind die Werke leider nicht immer eindeutig dem einen oder anderen zuzuordnen.

  • Johann Gottlieb Graun (1702/03–1771)
  • Carl Heinrich Graun (1703/04–1759)
  • Trios für 2 Violinen & Bc
  • Les Amis de Philippe
  • CD (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun