Gestern wurde auf WDR 3 in der Sendung TonArt das im Juli auf cpo erschienene Album von Ferdinand Ries rezensiert. Die CD (Shop) enthält unter anderem das Violinkonzert op. 24. Die Rezension finden Sie auf der Seite zur Sendung in voller Länge.

Burkhard Schmilgun, der Kopf hinter unserem Klassik-Label cpo, erhält bei einer Veranstaltung am 10. September in Hannover die Ehrenurkunde der deutschen Schallplattenkritik, meldet das Westfalenblatt. Dazu auch von hier unseren herzlichen Glückwunsch, Burkhard.

schallplattenkritikDer Verein "Preis der Schallplattenkritik" würdigt mit dieser Auszeichnung Burkhard Schmilguns "Gespür für Repertoirelücken abseits des Mainstreams". Es handelt sich dabei um den wohl wichtigsten unabhängigen Kritikerpreis im Klassikbereich in Deutschland. Die Ehrenurkunde erhielten im letzten Jahr nur drei Personen, darunter Jazz-Altmeister Paul Kuhn. Die restlichen Preisträger dieses Jahres sind auf der Website noch nicht zu finden.

Zur Arbeit von cpo und damit von Burkhard Schmilgun sind auch recht anschauliche Artikel in der Neuen Westfälischen und der Frankfurter Rundschau erschienen.

Ein Deutscher in Italien

Otto Nicolai (1810-1849) Il Templario (Oper in 3 Akten)Der Name Nicolais wird in der Öffentlichkeit noch immer mit dessen komischen Oper Die lustigen Weiber von Windsor (Shop) gleichgesetzt. Nicolai war ein Multitalent und hatte eine gänzlich atypische multikulturelle Gesinnung, die den wertkonservativen und königstreuen Ostpreußen nach Italien führte und die Vorzüge der italienischen Oper entdecken ließ, gerade als diese von der deutschen Kritik weithin als billiger Klingsang geschmäht wurde. Dabei hat er in den Jahren 1837–1841, also lange vor den Lustigen Weibern, fünf italienische Opern komponiert, von denen die dritte, Il Templario, nach damaligen Begriffen ein Welterfolg wurde. Hört man diese Musik, so will man nicht glauben, dass ein Deutscher solch eine perfekte Belcantooper schreiben konnte, die die Leidenschaft und den Verve des jungen Verdi vorwegnimmt. Zwischen die großen Namen Bellini, Donizetti, Mercadante und Verdi gehört ab jetzt auch Nicolai!

  • Otto Nicolai (1810–1849)
  • Il Templario (Oper in 3 Akten)
  • Hans Christoph Begemann, Tiina Penttinen, Stanley Jackson, Chor der Oper Chemnitz, Robert-Schumann-Philharmonie, Frank Beermann
  • 2 CDs (Shop)

Ein Holländer in Norwegen

Röntgen vollendete seine achte Symphonie 1930, im selben Jahr, als auch seine Biographie über Grieg erschien. In diesem Buch erinnert sich Röntgen der verschiedenen Reisen nach Jotunheim, das er mit Grieg dreimal besuchte. Und so erinnert in dieser Symphonie der elementare Orchesterklang mit den rauhen Bläsern auch mitunter an Griegs Orchesterwerke. Erwähnenswert ist, dass er im zweiten Teil der Symphonie eine Art »Lockruf« einer unbegleiteten Sopranstimme einsetzt, die mit den Strophen der choralartigen Melodie »Ich gehe in tausend Gedanken« alterniert. Die fünfzehnte Symphonie von 1931 schließlich ist ein Musterbeispiel für das Können ihres Verfassers, der sich dieses Mal der Pastellfarben enthielt, um statt dessen das Orchester in seiner ganzen Pracht und mit kräftigen Pinselstrichen einzusetzen.

  • Julius Röntgen (1855–1932)
  • Symphonien Nr. 8 & 15
  • Variationen über eine Norwegische Volksweise
  • Carmen Fuggiss, NDR Radiophilharmonie, David Porcelijn
  • CD (Shop)

Ein Deutscher in Schweden

Der im selben Jahr wie Mozart geborene Kraus war auch ein frühzeitig Hochbegabter. Aber erst in den letzten Jahren hat die vielseitige Künstlerpersönlichkeit Kraus wieder etwas mehr Aufmerksamkeit erfahren. In Miltenberg am Main geboren, führte ihn seine Karriere bis nach Stockholm ins Hofkapellmeisteramt. Seine Kirchenmusikwerke ragen in origineller Weise aus der Masse des liturgischen Repertoires heraus. Vor allem die Vielfalt der Klangfarben war dem Komponisten ein besonderes Anliegen. Beim Miserere etwa versteht er geschickt, die epische Versfolge in eine Dramaturgie einzukleiden, die durch den Wechsel der Besetzungen und Kompositionsarten belebt ist. Auch im Requiem zeigt sich ein sehr individueller Ausdruckswille. Der berührenden Wirkung seiner Werke kann man sich auch heute nicht entziehen.

  • Josef Martin Kraus (1756–1792)
  • Requiem, Miserere, Stella coeli (für Soli, Chor & Orchester)
  • Annemei Blessing-Leyhausen, Paul Gerhard Adam, Carmen Schüller, Julian Pregardien, Ekkehard Abele, Deutscher Kammerchor, La Stagione Frankfurt, Michael Schneider
  • CD (Shop)

Ein Deutscher in England

Das einzige Violinkonzert des Beethoven-Schülers Ries ist eines der wenigen größeren Orchesterwerke des Komponisten, das nicht zu seinen Lebzeiten im Druck erschien. Außer Ort und Jahr (Bonn 1810) ist nichts über die Umstände der Entstehung bekannt. Das Werk erinnert in Ausdehnung und Faktur nicht so sehr an das Beethoven-Konzert, sondern eher an die Tradition der französischen Violinkonzertliteratur à la Rodolphe Kreutzer und Pierre Rode, zeichnet sich aber dennoch durch eine eigene dramaturgische Konzeption aus. Noch einfallsreicher im Detail zeigt sich Ries mit vielen harmonischen Verwirrspielen allerdings bei seinem konzertanten Unikum von 1811 – seinem Konzert für zwei Waldhörnern und Orchester.

  • Ferdinand Ries (1784–1838)
  • Violinkonzert op. 24
  • Konzert für 2 Hörner & Orchester WoO. 19
  • Anton Steck, Teunis van der Zwart, Erwin Wieringa, Die Kölner Akademie, Michael Alexander Willens
  • CD (Shop)

Ein Italiener in Spanien

Vor 10 Jahren veröffentlichten wir die Box mit 28 Boccherini-Symphonien und haben damit dem zweiten großen Sinfoniker neben Joseph Haydn zu seinem diskographischen Recht verholfen. Jetzt endlich können wir auch noch zwei seiner Cellokonzerte nebst der noch fehlenden Symphonie G 521 sowie dem Oktett G 470 hörbar machen. Die Cellokonzerte weisen eine gelungene Verbindung von italienischer Kantabilität mit höchster virtuoser Violoncello-Spieltechnik auf. Werke voll Charme und Esprit, mitreißend ist vor allem der an Mozart erinnernde Schlusssatz des Konzertes G 479, ein Allegro assai im Dreiertakt. Boccherinis kurze Sinfonie G 521 ist eher eine dreiteilige Ouvertüre oder Opernsinfonie – eine klare und ausgeglichene Komposition sowohl hinsichtlich des melodischen Gehalts wie hinsichtlich des Orchestersatzes.

  • Luigi Boccherini (1743–1805)
  • Cellokonzerte G. 477 & G. 479
  • Symphonie G. 521
  • Oktett op. 38 G. 470
  • Johannes Goritzki (Cello & Dirigent), Stuttgarter Kammerorchester
  • CD (Shop)

Expressive Trios der Gebrüder Graun

Zu Lebzeiten gehörten die Gebrüder Graun als »feurige Instrumentalcomponisten« zu den berühmtesten, weit über Berlin und Potsdam hinaus bekannten Musikern. Auf dem Gebiet der Kammermusik war es die Gattung der »Triosonate«, der die Grauns ihr besonderes Interesse angedeihen ließen. Hier sind sie ganz in ihrem Element: die Violinparts voller technisch-virtuoser Finessen und rhythmisch zündender Formulierungen. Wir haben nun fünf dieser in Dresden aufbewahrten Meisterwerke mit Mitgliedern von Les Amis de Philippe eingespielt. Aufgrund der kurzen Hinweise »del Sig.re Graun« oder »di Graun« sind die Werke leider nicht immer eindeutig dem einen oder anderen zuzuordnen.

  • Johann Gottlieb Graun (1702/03–1771)
  • Carl Heinrich Graun (1703/04–1759)
  • Trios für 2 Violinen & Bc
  • Les Amis de Philippe
  • CD (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun

Die Staatsoperette hat vom 25. bis 27. Juni 2009 eine Tagung in Dresden veranstaltet. Ziel und Inhalt der Tagung war der Austausch über die Zukunft der Operette. Teilnehmer waren Verlagsvertreter, Komponisten, Dramaturgen, Literatur- und Musikwissenschaftler. Um einen Eindruck von der Tagung zu gewinnen, lesen Sie bitte den Artikel des Conferenciers der Tagung, Dr. Reiner Zimmermann.

Ich selbst hatte die Gelegenheit, ein Referat zum Thema zu halten, das hier gern in voller Länge zur Verfügung stelle. Lesen Sie den Rest dieses Beitrags »

Das Oratorium zum Varus-Jahr

1875 stieß Bruch auf das Epos des westfälischen Gymnasiallehrers J. Cüppers, von dem er begeistert schreibt: »Die Verse sind prachtvoll, von dithyrambischem Schwung, die Melodien springen überall aus diesem schönen Rhythmus von selber hervor«. Zur selben Zeit also, da im Teutoburger Wald bei Detmold das Hermannsdenkmal eingeweiht wurde, saß Bruch bei Freunden im Bergischen Land und komponierte den Arminius. Das Werk, dem die historische Varus-Schlacht als Vorbild dient, hat eine bewundernswert schlüssige Dramaturgie: Aus der Durchführung des Gegensatzes von Unterdrückung und Befreiung ergibt sich die formale Spannung, die eine ständige Intensitätssteigerung der vier Teile bewirkt. Der letzte Teil »Die Schlacht« ist denn auch der grandiose Höhepunkt des Werkes. Ein wirkliches Meisterwerk!

  • Max Bruch (1838–1920)
  • Arminius op. 43 (Oratorium)
  • Hans Christoph Begemann, Michael Smallwood, Ursula Eittinger, Rheinische Kantorei, Göttinger SO, Hermann Max
  • 2 CDs (Shop)

Aus Italien

Ging es Bruch um deutsche Größe, so war seinem später geborenen Komponistenkollegen Casella die innere Größe Italiens ein wichtiges Anliegen. 1909 schrieb er eine prächtige Rhapsodie »Italia«: »Der Komponist wollte in diesem Werk zwei der charakteristischsten Seiten des südlichen Italien darstellen: das tragische Sizilien, die vulkanische Insel mit ihren weiten Flächen, mit ihrem abergläubischen, fieberhaften Leben, und andererseits das Leben von Neapel, voll überströmender Lebensfülle und sorgloser Leichtigkeit«, so beschrieb Casella diese Liebeserklärung an sein Land. 30 Jahre später folgte dann sein symphonisch ambitioniertestes Werk, die dritte Symphonie op. 63, die wir hier als Ersteinspielung vorlegen. Wie kann solch ein Werk, entstanden unter glücklichsten Umständen und anfangs mit weltweit allergrößtem Erfolg versehen, so vollständig in der Versenkung verschwinden? Doch erfreuen wir uns an der Wiederentdeckung!

  • Alfredo Casella (1883–1947)
  • Symphonie op. 63; Rhapsodie op. 11 für Orchester »Italia«
  • WDR SO Köln, Alun Francis
  • CD (Shop)

Goethe als Tenor

»Friederike« von Lehár: Ja, es ist viel darüber gelästert worden, von der Uraufführungszeit 1928 bis zum heutigen Tag: Wie kann man allen Ernstes eine historische Figur nebst ebenfalls historischem Begleitpersonal wie den geheimen Rat Goethe und den Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Lenz als Operettenhelden auf die Bühne bringen? Ironisch verfremdet und satirisch: kein Problem, aber als schmachtenden Tenor »O Mädchen, mein Mädchen«? Nun, wenn man so schmachten kann wie Lehár, dann geht’s eben. Die beteiligten Urheber gingen ja auch ungewöhnlich sensibel zu Werke. Und dem Komponisten war klar, dass er sein Bestes und Feinstes geben musste. Und das ist es denn auch geworden: niemals banale Melodik, aparteste Instrumentation, wundervoll gebaute Szenen und Finali.

  • Franz Lehár (1870–1948)
  • Friederike (Singspiel in 3 Akten)
  • Kristiane Kaiser, Sylvia Schwartz, Klaus Florian Voigt, Daniel Behle, RO München, Ulf Schirmer
  • 2 CDs (Shop)

Klaviermusik von Ignaz Brüll

1860 debütierte der aus dem heutigen Tschechien stammende Ignaz Brüll erfolgreich als Pianist in Wien, gab aber später diese Karriere zugunsten des Komponierens auf. Leider ist Brüll heute allenfalls noch als Opernkomponist bekannt. Als Pädagoge wirkte er an den Horakschen Klavierschulen, wohin er 1881 als künstlerischer Direktor berufen wurde. Seine Verbindung zum Wiener Brahms-Kreis gab übrigens den Impuls zu vorliegender CD, denn dazu äußerte Pianistin Oehler: »Brüll ist mir als enger Brahms-Freund im wahrsten Sinne des Wortes in die Hände gefallen. Besonders die Albumblätter erinnerten mich sofort an Schumann. Mein Ansinnen ist es, einen Querschnitt von Brülls Klavierwerk darzustellen – mit Werken, von denen ich überzeugt bin, dass sie hörenswert sind«.

  • Ignaz Brüll (1846–1907)
  • Klaviersonate d-moll op. 73; Suite Nr. 2 op. 71; 7 Albumblätter für die Jugend op. 33; Legende aus Suite Nr. 3 op. 76; Sarabande aus Suite Nr. 3 op. 76; Romanze op. 57 Nr. 5; Cavatine aus Suite Nr. 4 op. 80
  • Alexandra Oehler, Klavier
  • CD (Shop)

Neuentdecktes Telemann-Oratorium

Die Existenz von Telemanns Oratorium zum Michaelisfest »Der aus der Löwengrube errettete Daniel« war bis vor kurzem völlig unbekannt. Fälschlicherweise wurden alle vorliegenden Abschriften als Komposition Händels ausgegeben. Heute wird das Stück nicht nur eindeutig Telemann zugeschrieben, sondern es kann auch der Textdichter Albrecht Jacob Zell und das Datum der Uraufführung (1731 in der Hamburger St.-Petri-Kirche) mit Sicherheit bestimmt werden. Die sensationelle Entdeckung wurde erstmals im Rahmen der Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz 2006 anlässlich der 18. Magdeburger Telemann-Festtage in einem Konzert der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Werk ist so echter Telemann, dass man sich über die falsche Zuweisung nur wundern kann: ungeheuer farbig, einfallsreich und immer wieder den dramatischen Affekt auf den Punkt treffend!

  • Georg Philipp Telemann (1681–1767)
  • Der aus der Löwengrube erettete Daniel TVWV deest (Oratorium auf das Michaelisfest)
  • Annemei Blessing-Leyhausen, Annegret Kleindopf, Kai Wessel, Julian Prégardien, Stephan Schreckenberger, La Stagione Frankfurt, Michael Schneider
  • CD (Shop)

Abschluss einer Haydn-Edition

Diesen Monat schließen wir die bisher von der Presse hochgelobte Gesamtaufnahme der Joseph Haydn-Trios auf historischen Instrumenten mit Vol. 8 ab, das weitere frühe Trios Haydns vorstellt. Während die Trios, die Haydn von 1784 an als in ganz Europa gefragter Komponist schrieb, grundsätzlich dem Typus der begleiteten Klaviersonate angehören, sind die frühen Werke eher als späte Ableger der barocken Triosonate zu verstehen Zwischen diesen frühen Trios finden sich aber schon viele ausgereifte Kompositionen. Hierfür sprechen nicht nur Haydns offensichtliche Expressivität und seine kompositorische Meisterschaft, sondern auch die enge Verzahnung von Klavierober- und Violinstimme.

  • Joseph Haydn (1732–1809)
  • Sämtliche Klaviertrios Vol. 8
  • Trio 1790
  • 2 CDs (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun

Von Hanswurst und Colombine

Marionetten- und Puppentheater mit Musik waren und sind in Österreich immer äußerst beliebt. Noch heute gibt es in Salzburg ein Marionettenoperntheater. Zwischen 1773 und 1779 gab es auch in der Sommerresidenz des Fürsten Nikolaus Esterházy auf Esterháza (im heutigen Ungarn gelegen) eine Marionettenbühne, und zu dieser Zeit war Haydn oberster Kapellmeister am Hofe. So entstand um 1776 »Die Feuersbrunst«: Haydn verwendet nicht nur Wiener Dialekt, sondern zeigt uns eine der letzten Hanswurst-Komödien, in der alle Sympathien dem armen Burschen aus dem Volk gelten. In ihrer Volkstümlichkeit und Deftigkeit scheint dieses köstliche Singspiel für die Dienerschaft geschrieben zu sein. Haydn folgt letztlich hier dem gleichen Prinzip der Volkstümlichkeit wie nach ihm Mozart in seiner »Zauberflöte«. Eine wahre Entdeckung zum Haydn-Jahr!

  • Joseph Haydn (1732–1809)
  • Die Feuersbrunst (oder »Das abgebrannte Haus«) (Marionetten-Singspiel H29b:A)
  • Otto Katzameier, Andreas Karasiak, Isa Katharina Gericke, Capella Augustina, Andreas Spering
  • 2 CDs (Shop)

Eine Operette vom Ziehrer

Johann Strauß hielt nichts von ihm, und würde man Ziehrer als seinen Konkurrenten bezeichnet haben, wäre er gekränkt gewesen: »Talent! Das hat der gute Ziehrer nicht und so hilft alles nichts …« schrieb er über den neuen Rivalen. Doch Ziehrer mauserte sich: 1885–93 war er Chefdirigent der berühmten »Hoch- und Deutschmeister-Kapelle« und wurde hier zum Inbegriff des feschen Militärkapellmeisters und 1907 wurde er gar zu Strauß’ Nachfolger als k.&k.-Hofballmusikdirektor. Seine Stärke waren schmissige, einprägsame melodische Einfälle, das Instrumentieren und Arrangieren in den Operetten überließ er lieber Anderen. So ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der Arrangeur seiner bezaubernden Operette »Die drei Wünsche« kein Geringerer als Alexander Zemlinsky war. Wie dem auch sei: Das Musik Theater Schönbrunn mit seinem Leiter Herbert Mogg hat damit eine lohnende Ausgrabung gemacht.

  • Carl Michael Ziehrer (1843–1922)
  • Die drei Wünsche
  • Volker Vogel, Donna Ellen, Valeriy Serkin, Anna Siminska u. a., Chor & Orchester des Musik Theaters Schönbrunn, Herbert Mogg
  • 2 CDs (Shop)

Ein niederländischer Beethoven

Wilms, geboren im Bergischen Land, sein Berufsleben dann aber vollständig in Amsterdam verbringend, hat ein beachtliches Lebenswerk hinterlassen. Seine Anfangserfolge waren sehr groß: »Dieser noch junge Komponist, voll Leben, Feuer und Anmuth, wird seinen Ruf bald überall verbreitet haben.« (AMZ 1807) Seine Musik aber hatte das Pech, dass sie öffentlich bekannt wurde, als sich ein Kanon von musikalischen Werken am Vorbild der Musik Beethovens zu bilden begann. Und gegenüber Beethovens Werken hatte Wilms’ Musik keine Chance: Etwa zwei Jahrzehnte lang waren seine Werke beliebt, dann fielen sie der Vergessenheit anheim. Dass seine Musik dennoch lebensfähig und eigenständig ist, zeigt unsere Einspielung.

  • Johann Wilhelm Wilms (1772–1847)
  • Symphonien Nr. 1 C-Dur op. 9 & Nr. 4 c-moll op. 23; Ouvertüre D-Dur
  • NDR Radiophilharmonie, Howard Griffiths
  • Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
  • SACD (Shop)

Norddeutsche Orgel-Entdeckungen – Vol. 7

Einem weiteren Meister ist Vol. 7 unserer Entdeckungsreise durch das norddeutsche Orgelbarock gewidmet: dem in Hamburg geborenen Johann Praetorius, der eines von sieben Kindern des Organisten Hieronymus Praetorius gewesen ist und der ab 1612 in Hamburg das Amt des Organisten und Kirchenschreibers an St. Nikolai innehatte.

Erst kürzlich wies ihm die Musikwissenschaft Orgelwerke zu, die bisher unter anderen z. T. berühmten Namen firmierten. Die Werke sind ausschließlich choralgebunden und beruhen sowohl auf gregorianischen als auch auf reformatorischen Cantus firmi. In allen Werken zeigt sich durch kontrapunktische Meisterschaft und Vielfalt der Satzstrukturen eine Qualität, die durchaus den zeitgenössischen Werken anderer entspricht.

  • Johann Praetorius (1595–1660)
  • Ausgewählte Orgelwerke
  • Friedhelm Flamme/Orgel Peter-und-Paul-Kirche Klostergut Holthausen
  • Sound: stereo & multichannel (Hybrid)
  • SACD (Shop)

Weitere Rosetti-Hornkonzerte

Kein Instrument war im 18. Jahrhundert so sehr eine Domäne der Böhmen wie das Horn, und es verwundert nicht, dass auch Rosetti zahlreiche Hornkonzerte komponiert hat. Nach unserer bereits veröffentlichten CD mit Doppelhornkonzerten (Shop) stellen wir jetzt neben einem weiteren Doppelhornkonzert auch zwei Solohornkonzerte Rosettis vor.

Unsere Interpreten Klaus Wallendorf und Sarah Willis zeigen erneut in ausgedehnten, technisch höchst anspruchsvollen und schnellen Passagen ihre virtuosen Fähigkeiten. Neben motivischen und dynamischen Kontrasten stehen ausdrucksvolle Kantilenen der Soloinstrumente.

  • Antonio Rosetti (1750–1792)
  • Hornkonzerte Murray C48 & C50; Konzert für 2 Hörner & Orchester Murray C61; Andante aus Konzert für 2 Hörner & Orchester Murray C55Q
  • Klaus Wallendorf, Sarah Willis, Kurpfälzisches Kammerorchester, Johannes Moesus
  • CD (Shop)

Streichquartette von Herzogenberg

Auf drei CDs wird cpo sämtliche Streichquartette vorstellen, z. T. kombiniert mit weiterer Kammermusik des zu Unrecht vergessenen Komponisten. Auf Vol. 1 veröffentlichen wir sein 5. Streichquartett op. 63, das Herzogenbergs letzter Beitrag zu dieser Gattung gewesen ist und dessen feuriges Finale mit kraftvoller, ländlich-burlesker und temperamentvoller Thematik der absolute »Highlightsatz« des Werkes ist. Der Pianist Oliver Triendl stellt dann noch mit dem Minguet Quartett Herzogenbergs Klavierquintett op. 17 vor, das Alfred Volkland gewidmet ist und über das sich Hermann Kretzschmar, Nachfolger Volklands als Dirigent des Bach-Vereins, wie folgt äußerte: »Endlich wagt es wieder einmal Einer, keinen Sonatensatz zu schreiben. Es sieht zwar fast so aus, als wäre ein zweites Thema da, eigentlich aber bleibt das Hauptthema mit seinem prononcirtesten rhythmischen Motive immer auf dem Posten«.

  • Heinrich von Herzogenberg (1843–1900)
  • Streichquartett op. 63 f-moll;
  • Klavierquintett op. 17 C-Dur
  • Oliver Triendl (Klavier), Minguet Quartett
  • CD (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun