Aus England erreichte uns eine Nachricht, die wir so recht nicht glauben konnten und wollten. Demnach ist wohl geplant, das traditionsreiche Label Decca in Kürze zu schließen. Obwohl mit der Geigerin Julia Fischer erst kürzlich ein Exklusivvertrag geschlossen wurde und sich ihre brandneue CD mit Violinkonzerten von Bach schnell zum Bestseller entwickelt hat, obschon dem Ensemble »Il Giardino Armonico« auf Deccas Unterlabel »L’Oiseau lyre« mit der Neuaufnahme der Concerti grossi op. 6 von Händel eine fulminante und auch gut verkäufliche Einspielung gelungen ist, scheint das Ende von Decca besiegelt. Warum das Label mit einer derartigen Schallplattengeschichte und solchen Künstlern wie Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Juan Diego Florez (um nur einige zu nennen) die Segel streicht, erschließt sich auch bei längerem Nachdenken nicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass es sich schlicht und ergreifend um eine kapitale Fehlentscheidung eines Managements handelt, das die Folgen einer solchen Entscheidung nicht absehen kann oder will. Parallelen zur momentanen Wirtschaftskrise aufgrund eben solcher Fehlentscheidungen müssen nicht zufällig sein. Schade, dass die Substanz dieser Firma, nämlich wunderbare Aufnahmen mit außerordentlichen Künstlern, bei den Entscheidern keine Rolle mehr zu spielen scheint.

Dass fünf Symphonien des nahezu unbekannten Komponisten Henri-Joseph Rigel nun wieder zugänglich sind, verdanken wir den Entdeckerfreuden des Concerto Köln. Der 1741 in Wertheim geborene und dann nach Paris übergesiedelte Komponist war zu seinen Zeiten ein angesehener Musiker, geriet nach seinem Tod aber schnell in Vergessenheit. Leider – denn wenn man die soeben bei Berlin Classics erschienenen Symphonien hört, wird schnell klar, dass Rigel ein Meister seines Fachs war. Beim Concerto Köln ist die Musik in besten Händen und es bleibt zu hoffen, dass weitere musikalische Schätze gehoben werden (Shop).