Der heutige Blick in die Online-Presse lässt gleich zwei Artikel hervorblitzen: Forscher haben zwei Litui nachgebaut – Intrumente, die zuletzt wohl vor über 250 Jahren ertönten und für die u. a. auch Bach Musik geschrieben hatte. Ein Lituus ist ein hölzernes Blechblasinstrument. Mehr darüber schreibt Spiegel Online und liefert auch gleich eine Klangprobe des ungewöhnlichen Instruments.

Das Aus von Christian Thielemann als Generalmusikdirektor der Münchener Philharmoniker verkündet dagegen Welt Online und sieht damit gleichzeitig die Zeit der Superdirigenten als beendet an.

Johann Strauss – wiederentdeckt

»Der neuen Partitur lässt sich viel Gutes nachrühmen. Sie waltet nicht bloß so freigebig mit anmuthigen Melodien, sie schmiegt sich auch mit lobenswerther Treue und Feinheit dem Worte und der Situation an. Und wie schön klingt sein Orchester!« So stand es 1880 in der Wiener Presse nach der Uraufführung von Johann Strauss’ siebter Operette »Das Spitzentuch der Königin«. Durch den Walzer »Rosen aus dem Süden« sind die Melodien dieses fast vergessenen Werkes auch uns noch geläufig. Dabei ist es ein Meisterwerk und hat durchaus eine Renaissance verdient. Wie auch andere Operetten des Walzerkönigs neben der Fledermaus.

In Wien entsteht gerade die »Neue Johann Strauss Gesamtausgabe« mit vorbildlichen kritischen Editionen, die Staatsoperette Dresden produziert ausgewählte Werke daraus auf der Bühne, und cpo nimmt das Ganze für CD auf: Freuen Sie sich schon auf den »Carneval in Rom« und »Prinz Methusalem«.

  • Johann Strauss II (1825–1899)
  • Das Spitzentuch der Königin
  • Stefanoff, Glatte, Kottmair, Simon, Liske, Brachmann, Gnauck, Chor und Orchester der Staatsoperette Dresden, Ernst Theis
  • 2 CDs (Shop)

Korstick spielt Reger und Busoni

»Das Werk ist sehr schwer … Es ist sozusagen eine Art Brahms d-moll Konzert ins Moderne übertragen«, schrieb Reger. Und genau wie das Brahms Konzert erlebte Regers Opus ein Fiasko: »eine neue Fehlgeburt der in Inzucht verkommenen Reger-Muse, nur im ersten Satz halbwegs erfunden, im übrigen schematisch er-Regert« – das ist so boshaft wie sprachlich gewitzt. Für den Komponisten war es allerdings eine herbe Enttäuschung: »Die Tonsprache ist zu herb und ernst, da muss sich das Publikum erst daran gewöhnen«. Leider hat sich das Publikum bis heute nicht daran gewöhnt, vielleicht aber auch, weil es ihm so gut wie nie angeboten wird: Pianisten machen einen weiten Bogen um das als »Schinken« verrufene Konzert. Diese Werk-Malaise muss einen Pianisten wie Michael Korstick herausfordern und mit intellektueller Grazie stellt er sich dem Feind – und gewinnt. Absolut aufregend!

  • Max Reger (1873–1916)
  • Klavierkonzert op. 114
  • Bach/Busoni
  • Klavierkonzert nach BWV 1052
  • Michael Korstick, RO München, Ulf Schirmer
  • CD (Shop)

Ein Erbe Carl Nielsens

Simonsen war zu Lebzeiten eine der bekanntesten Persönlichkeiten des dänischen Musiklebens – und das nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist, Lehrer, Administrator, Dozent und Autor. Er gehörte zu der Generation nach Carl Nielsen, die unter vollen Segeln fahren konnte, weil ihr Nielsen den Weg gewiesen hatte. Simonsen war ein außerordentlicher Idealist und von seltenster humanistischer Bildung: So beherrschte er fließend Griechisch, Lateinisch und Hebräisch. Er entstammte der jüdischen Mittelschicht Kopenhagens, und wenn er auch vom orthodoxen Judentum weit entfernt war, so fühlte er sich doch in kultureller Hinsicht mit der jüdischen Geschichte verbunden.

Seiner ersten Sinfonie, die übrigens 1920 von Carl Nielsen in Göteborg uraufgeführt wurde, gab er denn auch den programmatischen Titel »Zion«. Zum ersten Mal hat hier ein jüdischer Komponist in Dänemark ein Werk geschrieben, das sich ganz direkt mit der jüdischen Kultur auseinandersetzt.

  • Rudolph Simonsen (1889–1947)
  • Symphonien Nr. 1 & 2; Ouvertüre g-moll
  • Sønderjyllands SO, Israel Yinon
  • CD (Shop)

Fescas Flötenquartette

Selber ein exquisit ausgebildeter Geiger, wundert es nicht, dass vor allem seine meisterlich gearbeiteten Streichquartette früh den guten Ruf von Fesca als Komponist festigten. Aber die Qualität und das Originelle der Streichquartette findet sich durchaus auch in seinen Flötenquartetten wieder. Die viersätzigen Werke sind von großer formaler und konzeptioneller Einheitlichkeit. Die Schönheit liegt nicht in hervorstechenden Einzelheiten oder einprägsamen Melodien. Fescas Personalstil offenbart vielmehr kleine Abweichungen von der Norm vorgegebener Strukturen, vereint mit einem feinen Sinn für die Integrationsfähigkeit des klassischen vierstimmigen Satzes. Drei von den vier Quartetten werden hier frisch und mitreißend interpretiert von dem Linos Ensemble, von dem wir auf cpo bereits die wunderbaren Einspielungen der Septette von Alexander Fesca, dem Sohn von Friedrich Ernst Fesca, kennen.

  • Friedrich Ernst Fesca (1685–1759)
  • Flötenquartette op. 37, 38, 40
  • Linos Ensemble
  • CD (Shop)

Selles Auferstehungshistorie

Unter dem Titel Opera omnia hinterließ der aus Sachsen stammende Selle der Stadt Hamburg mit seinem gesamten musikalischen Nachlass handschriftliche Abschriften von den meisten seiner geistlichen Werke, die auch in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg aufbewahrt werden. Selle, der seine Ausbildung in Leipzig absolvierte, war ab 1641 u. a. Musikdirektor der vier Hauptkirchen Hamburgs und schuf für die Feste des Kirchenjahres eine bedeutende Reihe von musikalischen Historien sowie Vertonungen des Passionsberichtes im Johannesevangelium. Bei den hier eingespielten geistlichen Werken für Ostern wird deutlich erkennbar, das für Selle die klangfarbliche Facette ein ähnlich großes Gewicht wie deren melodische harmonische oder kontrapunktische Gestaltung hatte. Bei der Auferstehungshistorie setzt Selle auf eine affektbetonte Textausdeutung, was sein Interesse an einer moderneren, dramatischen Gestaltungsweise erkennen lässt.

  • Thomas Selle (1599–1663)
  • Historia der Auferstehung; Geistliche Konzerte & Motetten zum Osterfest
  • Weser-Renaissance, Manfred Cordes
  • CD (Shop)

Mendelssohns »Israel in Ägypten«

Mit kaum einem anderen Werk des 18. Jahrhunderts hat Mendelssohn sich während seiner Dirigentenkarriere so häufig auseinandergesetzt wie mit Händels Oratorium »Israel in Egpyten«. Als großer Verehrer Händels brachte er dann das Werk beim Niederrheinischen Musikfest am 26. Mai 1833 in Düsseldorf erfolgreich wieder zur Aufführung – und weitere sollten folgen. Die Partitur des Werkes hatte Mendelssohn in London entdeckt und seine kritische Überprüfung der verfügbaren Editionen anhand dieser Originalquellen zeichnete seine Aufführung aus. So fand bei der Düsseldorfer-Aufführung erstmals das Etikett »nach der Originalpartitur« Verwendung. Zusätzlich fand man mit Hilfe des Londoner Dirigenten George Smart ein altes Textbuch, das – so Mendelssohn – »unter Händel gebraucht worden«. Die durchweg positiven Zeitungskritiken zu den Aufführungen Mendelssohns lobten vor allem »die deutliche Aussprache, auf welche so selten Rücksicht genommen wird«.

  • Georg Friedrich Händel (1685–1759)
  • Israel in Ägypten (Fassung von Mendelssohn 1833, gesungen in deutscher Sprache)
  • Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max
  • 2 CDs (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun

Wie im britischen Evening Standard berichtet wurde, scheint das Ende des Traditionslabels Decca direkt bevorzustehen. Obwohl Julia Fischers Debütalbum mit Violinkonzerten von Bach (Shop) gerade riesige Verkaufserfolge feiert, verdichten sich die Gerüchte, dass Decca innerhalb der nächsten zwei Wochen die Pforten schließen muss.

Schaut man sich die Geschichte von Decca an, begegnet man Namen wie Louis Armstrong, Bing Crosby, Joan Sutherland und Luciano Pavarotti, The Rolling Stones und anderen Größen im Musikgeschäft von den 30ern bis in die heutige Zeit (die Beatles gehörten nicht dazu, aber das ist eine andere Geschichte). Eine Übersicht liefert die deutsche Wikipedia.

Im verlinkten Artikel ist allerdings auch davon die Rede, dass der berühmte Sound der Decca-Produktionen schon lange nicht mehr auf dem Niveau der guten alten Zeit ist. Es wird gar vermutet, dass ein Album wie das von Julia Fischer in den Höchstzeiten von Decca nicht in dieser Form veröffentlicht worden wäre. Der Klang sei zu schlecht ausbalanciert und von überzogener Klarheit; kein Vergleich zum Sound früherer Decca-Produktionen.

Nun ist uns natürlich bekannt, dass es unter unseren Kunden eine große Zahl an Decca-Freunden gibt. Wie sehen Sie das angekündigte Aus des Traditionslabels?

Im Jahr 1983 begann Frieder Bernius für das Label Carus eine Gesamtaufnahme der geistlichen Werke von Felix Mendelssohn. Mit der Einspielung der zweiten Symphonie »Lobgesang« gelangt das Projekt pünktlich zum Jubiläumsjahr des Komponisten nun zu seinem Abschluss. Neben den Oratorien »Saul« und »Elias« sind es besonders die kleineren Werke, die die Genialität Mendelssohns zum Ausdruck bringen. Auf Seite 69 im aktuellen jpc-courier stellen wir die faszinierende Edition vor. Maßgeblichen Anteil an der Qualität der Aufnahmen hat der herausragende Kammerchor Stuttgart, mit dem Frieder Bernius dieses einzigartige Projekt realisiert hat.

Mit einem Streifzug durch das Werk Claudio Monteverdis debütiert Christina Pluhar mit ihrem Ensemble »L’Arpeggiata« bei ihrem neuen Label Virgin Classics. Herausgekommen ist dabei die CD »Teatro d’amore«, die es wahrlich in sich hat. Instrumentale und vokale Sätze aus der Feder Monteverdis vereinen sich zu einem berauschenden barocken Fest. Für die Gesangspartien konnten die Sopranistin Nuria Rial und der Countertenor Philippe Jaroussky gewonnen werden. Die ersten 200 Exemplare der Deluxe-Ausgabe mit einem 80-seitigen Hardcover-Booklet hat Christina Pluhar exklusiv für jpc signiert (Shop).

Ihre Zusammenarbeit mit dem Label Decca startet die Geigerin Julia Fischer mit Violinkonzerten von Johann Sebastian Bach (Shop). Begleitet wird sie dabei von der Academy of St Martin in the Fields, die sie als Prima inter Pares auch leitet, um so ihre eigenen Vorstellungen von der Musik Bachs noch besser in Klang umsetzen zu können. Die Introseite des Klassikteils ist dieser fesselnden Einspielung gewidmet.

Ab sofort präsentieren wir Ihnen die aktuellen Klassikzeitschriften (FonoForum, Gramophone etc.) nicht mehr im Klassikteil des Couriers, sondern auf Seite 81. Dort finden Sie weitere Journale zu Themen aus Jazz, Rock und Pop. Auch im Internet gibt es eine Übersicht über alle derzeit bei jpc lieferbaren Ausgaben. Der Link www.jpc.de/zeitschriften führt direkt zum Shop.

Ein einziges Mal traten Joan Sutherland und Fritz Wunderlich gemeinsam auf, und zwar in Händels Oper »Alcina«, die am 15. Mai 1959 vom WDR aufgenommen wurde. Dabei war die Besetzung so eigentlich gar nicht geplant, aber die ursprünglich vorgesehenen Sänger erfüllten die Ansprüche nicht und wurden fünf Tage vor der Aufführung entlassen. Im Crashkurs eigneten sich Sutherland und Wunderlich ihre Rollen an und harmonierten so gut mit dem übrigen Ensemble, als wären sie seit langem aufeinander eingespielt. Eine weitere Besonderheit dieser einzigartigen Aufnahme stellt das Orchester dar: Die Cappella Coloniensis begleitete damals als weltweit erstes Ensemble, das konsequent im Sinne der Historischen Aufführungspraxis musizierte. Die DGG bringt die Aufnahme nun als Auftakt zum Händel-Jahr auf CD heraus und macht damit ein in vielerlei Hinsicht wertvolles Dokument wieder zugänglich (siehe Seite 54 im aktuellen jpc-courier und im Shop).

Im Jahr 1985 veröffentlichte die DGG eine Einspielung mit Klavierkonzerten Bachs. Neben Christoph Eschenbach, Justus Franz und Gerhard Oppitz war auch Helmut Schmidt als Pianist an der Aufnahme beteiligt, die den 300. Geburtstag Johann Sebastian Bachs würdigen sollte. Den 90. Geburtstag Helmut Schmidts nimmt die DGG wiederum zum Anlass, einen bedeutenden Staatsmann zu ehren. Neben der CD enthält das Set die Dokumentation »Helmut Schmidt außer Dienst«, in der Sandra Maischberger den Altkanzler und seine Frau einfühlsam porträtiert (Shop).

Nach ihrem sensationellen, bei Virgin Classics erschienenen CD-Debut mit Arien von Mozart, Salieri und Righini widmet sich Diana Damrau auf ihrer neuen CD nun ganz Wolfgang Amadeus Mozart. In Konzert- und Opernarien stellt die Sängerin, der die internationale Presse sogar bescheinigte, die »weltbeste Koloratursopranistin« zu sein, erneut ihr außerordentliches Können unter Beweis. Begleitet wird sie, wie schon auf ihrer ersten CD, vom Ensemble Le Cercle de l’Harmonie unter Jeremie Rhorer. Die ersten 200 CDs hat Diana Damrau exklusiv für jpc signiert (Shop).

Zahlreiche Entdeckungen verspricht die 20 CDs umfassende Box »200 Ans de Musique a Versailles«. Herausgegeben wurde diese Edition anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Centre de Musique Baroque de Versailles und dokumentiert zahlreiche musikalische Highlights aus den Konzerten im Palast von Versailles. Die Musik entstand während der Regentschaften von Ludwig XIII bis Ludwig XVI und stammt aus der Feder von Boesset, Lully, Charpentier, Couperin, Marais, Delalande, Rameau und anderen. Dieses reiche Kompendium des französischen Barock umfasst Kammermusik, geistliche Musik, Ballette und Symphonien, darunter einige Weltersteinspielungen und wird interpretiert von der Crème de la Crème der Barockszene. Für Liebhaber dieser Musik ist diese Box ein Muss (Shop).

Die Eloquence-Serie feiert in diesen Tagen ihren 10. Geburtstag und ist mit etwa 10 Millionen verkauften CDs die mit Abstand erfolgreichste Klassik-Serie auf dem deutschen Markt. Zu diesem Jubiläum erscheint nun Andras Schiffs Einspielung sämtlicher Werke für Klavier solo von Johann Sebastian Bach. Diese in den Jahren 1982 bis 1991 entstandenen Aufnahmen haben nach wie vor Referenzstatus. Die 12 CDs umfassende und mit 19,99 Euro sehr preiswerte Box (Shop) stellen wir auf Seite 57 im aktuellen jpc-courier ausführlich vor. Dort finden Sie weitere Eloquence-Boxen, die jede CD-Sammlung bereichern.

Das Jahr 2009 steht ganz im Zeichen von Haydn und Händel und wirft seine Schatten schon sehr deutlich voraus. So ist unsere zweite Umschlagseite im aktuellen jpc-courier Georg Friedrich Händel gewidmet. Fünf traumhaft schöne Boxen enthalten maßstabsetzende Einspielungen seiner Werke, die bei harmonia mundi france erschienen sind. Liest man die Riege der Interpreten, so braucht man auch über die musikalische Qualität kein Wort zu verlieren.

Brilliant Classics wird (hoffentlich) am 31.10.2008 einen wichtigen Auftakt zum Haydn-Jahr liefern, denn dann soll eine 150-CD-Edition zu einem äußerst attraktiven Preis (99,99 Euro) erscheinen (Shop).