Das Oratorium zum Varus-Jahr

1875 stieß Bruch auf das Epos des westfälischen Gymnasiallehrers J. Cüppers, von dem er begeistert schreibt: »Die Verse sind prachtvoll, von dithyrambischem Schwung, die Melodien springen überall aus diesem schönen Rhythmus von selber hervor«. Zur selben Zeit also, da im Teutoburger Wald bei Detmold das Hermannsdenkmal eingeweiht wurde, saß Bruch bei Freunden im Bergischen Land und komponierte den Arminius. Das Werk, dem die historische Varus-Schlacht als Vorbild dient, hat eine bewundernswert schlüssige Dramaturgie: Aus der Durchführung des Gegensatzes von Unterdrückung und Befreiung ergibt sich die formale Spannung, die eine ständige Intensitätssteigerung der vier Teile bewirkt. Der letzte Teil »Die Schlacht« ist denn auch der grandiose Höhepunkt des Werkes. Ein wirkliches Meisterwerk!

  • Max Bruch (1838–1920)
  • Arminius op. 43 (Oratorium)
  • Hans Christoph Begemann, Michael Smallwood, Ursula Eittinger, Rheinische Kantorei, Göttinger SO, Hermann Max
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Aus Italien

Ging es Bruch um deutsche Größe, so war seinem später geborenen Komponistenkollegen Casella die innere Größe Italiens ein wichtiges Anliegen. 1909 schrieb er eine prächtige Rhapsodie »Italia«: »Der Komponist wollte in diesem Werk zwei der charakteristischsten Seiten des südlichen Italien darstellen: das tragische Sizilien, die vulkanische Insel mit ihren weiten Flächen, mit ihrem abergläubischen, fieberhaften Leben, und andererseits das Leben von Neapel, voll überströmender Lebensfülle und sorgloser Leichtigkeit«, so beschrieb Casella diese Liebeserklärung an sein Land. 30 Jahre später folgte dann sein symphonisch ambitioniertestes Werk, die dritte Symphonie op. 63, die wir hier als Ersteinspielung vorlegen. Wie kann solch ein Werk, entstanden unter glücklichsten Umständen und anfangs mit weltweit allergrößtem Erfolg versehen, so vollständig in der Versenkung verschwinden? Doch erfreuen wir uns an der Wiederentdeckung!

  • Alfredo Casella (1883–1947)
  • Symphonie op. 63; Rhapsodie op. 11 für Orchester »Italia«
  • WDR SO Köln, Alun Francis
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Goethe als Tenor

»Friederike« von Lehár: Ja, es ist viel darüber gelästert worden, von der Uraufführungszeit 1928 bis zum heutigen Tag: Wie kann man allen Ernstes eine historische Figur nebst ebenfalls historischem Begleitpersonal wie den geheimen Rat Goethe und den Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Lenz als Operettenhelden auf die Bühne bringen? Ironisch verfremdet und satirisch: kein Problem, aber als schmachtenden Tenor »O Mädchen, mein Mädchen«? Nun, wenn man so schmachten kann wie Lehár, dann geht’s eben. Die beteiligten Urheber gingen ja auch ungewöhnlich sensibel zu Werke. Und dem Komponisten war klar, dass er sein Bestes und Feinstes geben musste. Und das ist es denn auch geworden: niemals banale Melodik, aparteste Instrumentation, wundervoll gebaute Szenen und Finali.

  • Franz Lehár (1870–1948)
  • Friederike (Singspiel in 3 Akten)
  • Kristiane Kaiser, Sylvia Schwartz, Klaus Florian Voigt, Daniel Behle, RO München, Ulf Schirmer
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Klaviermusik von Ignaz Brüll

1860 debütierte der aus dem heutigen Tschechien stammende Ignaz Brüll erfolgreich als Pianist in Wien, gab aber später diese Karriere zugunsten des Komponierens auf. Leider ist Brüll heute allenfalls noch als Opernkomponist bekannt. Als Pädagoge wirkte er an den Horakschen Klavierschulen, wohin er 1881 als künstlerischer Direktor berufen wurde. Seine Verbindung zum Wiener Brahms-Kreis gab übrigens den Impuls zu vorliegender CD, denn dazu äußerte Pianistin Oehler: »Brüll ist mir als enger Brahms-Freund im wahrsten Sinne des Wortes in die Hände gefallen. Besonders die Albumblätter erinnerten mich sofort an Schumann. Mein Ansinnen ist es, einen Querschnitt von Brülls Klavierwerk darzustellen – mit Werken, von denen ich überzeugt bin, dass sie hörenswert sind«.

  • Ignaz Brüll (1846–1907)
  • Klaviersonate d-moll op. 73; Suite Nr. 2 op. 71; 7 Albumblätter für die Jugend op. 33; Legende aus Suite Nr. 3 op. 76; Sarabande aus Suite Nr. 3 op. 76; Romanze op. 57 Nr. 5; Cavatine aus Suite Nr. 4 op. 80
  • Alexandra Oehler, Klavier
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Neuentdecktes Telemann-Oratorium

Die Existenz von Telemanns Oratorium zum Michaelisfest »Der aus der Löwengrube errettete Daniel« war bis vor kurzem völlig unbekannt. Fälschlicherweise wurden alle vorliegenden Abschriften als Komposition Händels ausgegeben. Heute wird das Stück nicht nur eindeutig Telemann zugeschrieben, sondern es kann auch der Textdichter Albrecht Jacob Zell und das Datum der Uraufführung (1731 in der Hamburger St.-Petri-Kirche) mit Sicherheit bestimmt werden. Die sensationelle Entdeckung wurde erstmals im Rahmen der Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz 2006 anlässlich der 18. Magdeburger Telemann-Festtage in einem Konzert der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Werk ist so echter Telemann, dass man sich über die falsche Zuweisung nur wundern kann: ungeheuer farbig, einfallsreich und immer wieder den dramatischen Affekt auf den Punkt treffend!

  • Georg Philipp Telemann (1681–1767)
  • Der aus der Löwengrube erettete Daniel TVWV deest (Oratorium auf das Michaelisfest)
  • Annemei Blessing-Leyhausen, Annegret Kleindopf, Kai Wessel, Julian Prégardien, Stephan Schreckenberger, La Stagione Frankfurt, Michael Schneider
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Abschluss einer Haydn-Edition

Diesen Monat schließen wir die bisher von der Presse hochgelobte Gesamtaufnahme der Joseph Haydn-Trios auf historischen Instrumenten mit Vol. 8 ab, das weitere frühe Trios Haydns vorstellt. Während die Trios, die Haydn von 1784 an als in ganz Europa gefragter Komponist schrieb, grundsätzlich dem Typus der begleiteten Klaviersonate angehören, sind die frühen Werke eher als späte Ableger der barocken Triosonate zu verstehen Zwischen diesen frühen Trios finden sich aber schon viele ausgereifte Kompositionen. Hierfür sprechen nicht nur Haydns offensichtliche Expressivität und seine kompositorische Meisterschaft, sondern auch die enge Verzahnung von Klavierober- und Violinstimme.

  • Joseph Haydn (1732–1809)
  • Sämtliche Klaviertrios Vol. 8
  • Trio 1790
  • 2 CDs (Shop)

Neue Hör- und Entdeckerfreuden wünscht Ihnen Burkhard Schmilgun